Tierisch gute Freunde

Wie Pflanzen und Tiere gemeinsame Sache machen

05.10.2015 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Wenn zum gemeinsamen Frühstück geladen wird, lassen Marienkäfer sich nicht zweimal bitten. Für ihren unstillbaren Heißhunger auf Schädlinge genießen sie unter vielen Pflanzen hohes Ansehen. (Bildquelle: © Peter Freitag/ pixelio.de)
Wenn zum gemeinsamen Frühstück geladen wird, lassen Marienkäfer sich nicht zweimal bitten. Für ihren unstillbaren Heißhunger auf Schädlinge genießen sie unter vielen Pflanzen hohes Ansehen. (Bildquelle: © Peter Freitag/ pixelio.de)

Die Beziehungen zwischen Tier und Pflanze gehenüber das bloße „Fressen oder Gefressen werden“ hinaus. Zum Teil zeugen die Bekanntschaften regelrecht von gegenseitiger „Wertschätzung“. Sehr oft ist es ein Geben und Nehmen, also eine Beziehung zum gegenseitigen Vorteil. Das Plantainment „Tierisch gute Freunde“ stellt ausgewählte Pflanzen-Tier „Freundschaften“ vor.

„Wahre Freundschaft ist eine langsam wachsende Pflanze“, sagte niemand geringeres als der erste Präsident der Vereinigten Staaten, George Washington. Eigentlich als Vergleich für zwischenmenschliche Beziehungen gemeint, scheint sich seine Weisheit auch in der Natur zu bestätigen. Anders als bei Menschen, benötigt es mehr als ein Pflanzen- oder Tierleben, um eine „Freundschaft“, korrekt ausgedrückt eine Symbiose aufzubauen. Dafür bleiben sie weitaus länger erhalten, werden von nachkommenden Generationen gepflegt und weitergegeben, prägen sowohl das Verhalten als auch die Gestalt. Und das nicht nur über Artgrenzen hinweg, sondern sogar zwischen verschiedenen Welten. Zwischen Flora und Fauna, dem Pflanzen- und dem Tierreich. Symbiosen können sich aus einem Parasitismus heraus entwickeln oder umgekehrt.

Mehr als nur ein Zwischensnack

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Egal ob beim Entlanghangeln oder Verschnaufen, Klettertiere tragen durch ihre bloße Anwesenheit auf Bäumen dazu bei, dass Äste und Wurzeln gestärkt werden.

Egal ob beim Entlanghangeln oder Verschnaufen, Klettertiere tragen durch ihre bloße Anwesenheit auf Bäumen dazu bei, dass Äste und Wurzeln gestärkt werden.

Bildquelle: © Daniel Méndez / wikimedia.org / CC BY-SA 3.0

Wer meint, es ginge hier nur ums „Fressen oder Gefressen werden“, der unterschätzt die Kraft der Evolution und die unterschiedlichsten Herausforderungen in der freien Natur. Das Plantainment zeigt, dass Tiere Pflanzen in ihrer Umgebung nicht nur als Snack oder vollwertige Mahlzeit wahrnehmen. Sehr oft werden sie zu strategischen Partnern oder stehen in einem Dienstleisterverhältnis. Sei es, um nach einer kräftezehrenden nächtlichen Jagd einen Ruheraum zu finden oder um beim anderen Geschlecht zu punkten. Manche Symbiosen erinnern gar an Sklaverei. Indem ein Partner Kost und Logis bietet, verfällt der andere in totaler Abhängigkeit.

Von skurril bis überraschend

Dass eine Gabe wie pechschwarzer Fledermauskot den Grundstein für eine „Freundschaft“ legen kann, amüsiert, irritiert und fasziniert zugleich. In diesem Fall zwischen der Hardwicke-Wollfledermaus (Kerivoula hardwickii) und einer fleischfressenden Kannenpflanzenart (Nepenthes hemsleyana). Es sind die nährstoffreichen Hinterlassenschaften des Insektenfressers, die die bauchigen Pflanzen dankend annehmen und veranlassen, den nachtaktiven Geschöpfen einen komfortablen Unterschlupf zu gewähren. Damit ist die Liste von Beispielen noch lange nicht am Ende. Wer würde annehmen, dass Klettertiere die Fitness von Pflanzen stärken, indem sie Äste und Wurzeln belasten und diese damit stählen? Oder dass Bären in ihrem Revier für den Pflanzenschutz eintreten?

Mit dem aktuellen Plantainment wird deutlich: Pflanzen und Tiere sind ohne einander nicht vorstellbar und oft nicht einmal überlebensfähig. Obwohl Pflanzen evolutionsgeschichtlich viel älter sind, prägten sie unseren Planeten bereits Millionen Jahre bevor sich die ersten Tiere entwickelten. Mit der Entstehung der Tiere veränderte sich jedoch das natürliche Gefüge komplett. Ein Tier, ein vernunftbegabtes noch dazu, ist in der Lage Pflanzen bedarfsgerecht zu verändern. Wie kein anderes Lebewesen greift der Mensch in nahezu alle natürlichen Prozesse ein.

„Evo-Devo“

Evolutionäre Entwicklungsbiologie nennt sich ein junger Forschungszweig, kurz „Evo-Devo“. Die Abkürzung steht für die Erforschung der Entwicklung eines Individuums im evolutionären Kontext. Wird „Evo-Devo“ um die Zusammenhänge in einem Ökosystem bereichert, entsteht „Eco-Evo-Devo“. „Eco-Evo-Devo“ integriert Konzepte für die Herausbildung von Symbiosen und die Plastizität eines Organismus, ebenso wie jene Faktoren, die für die Weitergabe und Variabilität von Eigenschaften auf die nächste Generation wichtig sind, um auf Umweltreize reagieren zu können. Aber auch die Herausformung von ökologischen Nischen und die Frage, wie diese besetzt werden, bilden Themen von „Eco-Evo-Devo“.

Das Plantainment „Tierisch gute Freunde“ lädt auf eine Entdeckungsreise zweier verschiedener Welten ein, die mehr gemeinsam haben, als auf den ersten Blick scheint.

Viel Spaß beim Entdecken und Stöbern wünscht die Redaktion von Pflanzenforschung.de!

PS: Die in den großformatigen Bildern gezeigten Tiere stellen nicht in jedem Fall die für die Symbiose beschriebene Art dar.

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