Grüne Helfer im Dienste des Bundesministeriums

04.11.2009 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Testubes Labor (Bild: © Okerlandarchiv, JKI)
Testubes Labor (Bild: © Okerlandarchiv, JKI)

Wenn Bundesministerin Ilse Aigner Rat in Sachen Gentechnik braucht, kann es gut sein, dass sie als erstes in Quedlinburg anruft. Dort hat das Julius-Kühn-Institut (JKI) seinen Hauptsitz. Das JKI ist das offizielle Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen und somit wichtiger Ratgeber für das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in allen Belangen der Kulturpflanze. Hier werden Forschungsarbeiten durchgeführt, die letztendlich die Politik um Pflanzenschutz-, Chemikalien- und Gentechnikgesetze mitbestimmen.

Julius-Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) 

Quedlinburg/Berlin – Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, wie beispielsweise die Max-Planck-Institute oder die Leibniz-Gemeinschaft werden durch Zuschüsse des Bundes finanziell gefördert. Dabei bleiben sie jedoch in ihrem Handeln selbständige, eigenverantwortliche Wissenschaftszentren. Die einzelnen Ministerien selbst verfügen daneben auch über eigene, speziell für deren Arbeit ins Leben gerufene Institutionen. Im Gegensatz zu außeruniversitären Einrichtungen und Unis können die bundeigenen Institute Fragestellungen oft viel langfristiger und kontinuierlicher bearbeiten. „Manchmal jahrzehntelang. Das macht sonst niemand“, so Dr. Gerlinde Nachtigall, Pressesprecherin des JKI. Außerdem erhalten die Ministerien so die Möglichkeit kurzfristig Kompetenzen abzurufen. Daher ist die Ressortforschung wichtig. Für das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) arbeiten vier Bundesforschungsinstitute an wissenschaftlichen Grundlagen in den Bereichen Ernährungs-, Landwirtschafts-, Forst-, Fischerei- und Verbraucherpolitik. Neben der politischen Unterstützung, die die Institute durch ihre Forschungsarbeit liefern, sollen diese Einrichtungen auch Erkenntnisse für die Gesellschaft allgemein erarbeiten. Auf einer separaten Webseite kann sich die Öffentlichkeit auch selbst über aktuelle Forschungsfortschritte informieren (http://www.bmelv-forschung.de). Für das Gebiet Kulturpflanzen zeichnet im Auftrag der Regierung das Julius Kühn-Institut (JKI) mit Hauptsitz in Quedlinburg verantwortlich. 

110 Jahre Pflanzenwissen 

DasInstitut in seiner heutigen Form ist noch recht jung, da es erst nach Neuordnung der Ressortforschung im Bundesministerium gegründet wurde. Daher trägt das JKI als Gründungsdatum den 1. Januar 2008, obgleich seine verschiedenen Vorgängerorganisationen auf teils lange geschichtliche Wurzeln zurückblicken können. Die sachsen-anhaltinische Stadt ist dabei als Zentralsitz nicht zufällig gewählt: „Quedlinburg hat sich früh zu einem Zentrum der deutschen Samenzucht entwickelt und war Standort der größten deutschen Gemüse- und Pflanzenproduktionen. In diesem Umfeld haben sich erfolgreich Unternehmen angesiedelt und etabliert. Im Jahr 1922 befand sich in Quedlinburg bereits die größte Samenhandlung Europas“, sagt Bundesministerin Ilse Aigner. Seinen ältesten Ursprung hat das JKI in der „Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft“ von 1898. Heute vereint das Kulturpflanzeninstitut die ehemalige Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA), die Bundesanstalt für Züchtungsforschung (BAZ) an Kulturpflanzen und zwei Institute der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) und fungiert nun als alleinige Bundeseinrichtung und Bundesoberbehörde auf dem Feld Kulturpflanze. Konkret schließt dies die Themen Pflanzengenetik, Pflanzenbau, Pflanzenernährung und Bodenkunde sowie Pflanzenschutz und Pflanzengesundheit mit ein. Als Leiter wurde der bisherige Präsident der BBA, Professor Dr. Georg F. Backhaus eingesetzt. Der Name des Instituts lässt sich auf den Begründer der modernen Phytopathologie und Pionier in der wissenschaftlichen Ausbildung im Agrarbereich, Julius Kühn, zurückführen. 

Gebündelte Kompetenz um die Kulturpflanze mit 15 Instituten 

Durch die Zusammenlegung der einzelnen Anstalten besteht das JKI heute aus 15 Unterinstituten an derzeit elf Standorten in Quedlinburg, Braunschweig, Münster, Kleinmachnow, Dresden-Pillnitz, Dossenheim, Siebeldingen, Berlin, Darmstadt, Bernkastel-Kues und Groß-Lüsewitz. Die Arbeit in Berlin, Darmstadt, Münster und Bernkastel-Kues wird jedoch zukünftig nicht mehr fortgesetzt und die Standorte werden bis 2020 aufgelöst. Die Mitarbeiter sollen dann an die verbliebenen Standorte entsendet werden. Derzeit bestehen an allen Standorten Versuchsfelder für die Forschungsarbeit. Insgesamt stehen so gut 400 ha Fläche und 66 ha Wald zur Verfügung. Hinzu kommt ein zusätzliches Kartoffelversuchsfeld in Groß Lüsewitz. Momentan sind über 1000 Mitarbeiter für das JKI tätig. Insgesamt sollen jedoch 120 Planstellen in den nächsten 10 Jahren abgebaut werden. 

Alle Institute in Quedlinburg, Braunschweig und Siebeldingen nehmen zusätzlich laufend die Betreuung von Diplom- und Studienarbeiten auf. Momentan im Bereich „Die Ausprägung von Aromaprofilen in Weinbeeren unterschiedlicher genetischer und biogeographischer Herkunft“ um nur ein Beispiel zu nennen. Um das Angebot zu komplettieren, bietet das JKI Praktika an. 

Politikberatung zu Fragen des Klimawandels 

Die gebündelten Kompetenzen ermöglichen dem BMELV eine sehr breite Forschungsleistung und Beratung. Mithilfe des JKI will die Regierung ein ehrgeiziges Ziel erreichen: „Bis 2015 soll Deutschland die europäische Spitzenposition in der Pflanzenbiotechnologie und der Pflanzenzüchtung erreicht haben.“ Schließlich ist das JKI  ein Beitrag zum „Exzellenzstandort Deutschland“. Die Aufgaben des Instituts leiten sich aus den Vorgaben des Ministeriums bzw. von dessen festgelegtem Forschungsplan ab. Die Pflanzenschutz-, Chemikalien- und Gentechnikgesetze definieren dabei die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Die Beratungsfunktion an das BMELV ist jedoch die übergeordnete Vorgabe für das Institut. Schließlich gilt es Themen rund um die Kulturpflanze, wie Klimawandels, eine wachsende Weltbevölkerung und Lebensmittelsicherheit nicht nur zu beantworten, sondern auch wissenschaftlich zu belegen. 

213 Bewertungen

Bewertung

8126 angesehen

Kommentare

Kommentiere diesen Beitrag

Bitte geben Sie die Zeichen im Bild unten ein. (Dies dient ausschließlich dem Schutz vor Spam.)


Captcha Code

Click the image to see another captcha.