Botrytis cinerea
Die Botrytis-Pilzkrankheit, verursacht durch den Schimmelpilz Botrytis cinerea, zählt weltweit zu den häufigsten und wirtschaftlich bedeutendsten Pflanzenkrankheiten. Umgangssprachlich ist sie auch als Grauschimmel bekannt, was auf die charakteristische graue Pilzschicht zurückgeht, die auf befallenen Pflanzenteilen entsteht. Der Erreger befällt ein außergewöhnlich breites Spektrum an Wirtspflanzen: neben Weinreben sind Gemüse- und Obstkulturen (wie Erdbeeren, Tomaten, Gurken, Paprika), Schnittblumen (z.B. Rosen, Gerbera), sowie zahlreiche Zierpflanzen betroffen.
Botrytis cinerea gehört zu den sogenannten nekrotrophen Pilzen, die abgestorbenes und geschwächtes Pflanzengewebe als Nahrungsquelle nutzen, aber auch gesunde Pflanzenteile aktiv infizieren können. Typisch für eine Infektion ist ein grauer, flauschig-pelziger Belag, der sich besonders bei feuchtem Wetter oder hoher Luftfeuchtigkeit rasch entwickelt. Der Pilz produziert dabei unzählige Sporen, die über Wind, Regenwasser, Spritzwasser oder auch durch Berührung schnell und weit verbreitet werden. Verletzungen an Pflanzen, beispielsweise durch mechanische Einwirkungen, Hagel, Insektenfraß oder andere Schädlinge, begünstigen vor allem auf der Traubenbeere den Eintritt und die rasche Ausbreitung der Krankheit enorm.
Bei Weinreben tritt Botrytis cinerea in zwei sehr unterschiedlichen Formen auf: als Edelfäule und als Sauerfäule. Unter günstigen Bedingungen – später Befall, trockene, sonnige Tage, kombiniert mit kühlen, feuchten Nächten – entwickelt sich der Pilz zu der begehrten Edelfäule, die in Weintrauben zu einer Konzentration von Zucker und wertvollen Aromastoffen führt. Diese Edelfäule ermöglicht erst die Herstellung bestimmter hochwertiger Süßweine, etwa Trockenbeerenauslesen, Sauternes oder Tokajer. In diesem speziellen Fall ist der Pilz für die Qualität sogar ausdrücklich erwünscht.
Überwiegen jedoch feucht-warme Bedingungen, wird Botrytis schnell zur schädlichen Variante (Sauerfäule), die ganze Traubenbestände zerstören kann. Die Trauben verfaulen, platzen auf und werden dadurch unbrauchbar. Befallene Früchte, Gemüse oder Blüten verlieren ihre Markt- und Lagerfähigkeit vollständig. Im Gartenbau oder in Gewächshäusern entstehen durch Botrytis cinerea regelmäßig erhebliche wirtschaftliche Verluste, da die befallenen Kulturen nicht mehr verkauft werden können.
Die Bekämpfung von Botrytis ist herausfordernd, da der Pilz eine Vielzahl von Strategien entwickelt hat, um gegen Fungizide Resistenzen zu bilden. Daher sind vorbeugende Maßnahmen besonders entscheidend: Pflanzen sollten luftig stehen, um rasch abtrocknen zu können, Verletzungen sollten vermieden werden, und stark gefährdete Pflanzenarten können prophylaktisch behandelt werden. Zudem sind gute Kulturpraktiken wichtig, darunter eine kontrollierte Bewässerung, eine ausreichende Belüftung von Gewächshäusern, sowie regelmäßige Entfernung und Entsorgung infizierter Pflanzenteile.
Die Forschung konzentriert sich zunehmend auf die Züchtung resistenter oder zumindest weniger anfälliger Sorten. Besonders in der Rebenzüchtung und im Obstbau versucht man, mithilfe genetischer Marker und gezielter Kreuzung Sorten zu entwickeln, die sich besser gegen Botrytis behaupten können, etwa durch lockerbeerige Trauben, die rasch abtrocknen. Parallel dazu werden ökologische Ansätze verfolgt, etwa durch den Einsatz antagonistischer Mikroorganismen, die dem Pilz natürlichen Widerstand entgegensetzen.