Dieses Portal wird nur noch bis zum 31.12.2025 redaktionell betreut. Die Webseite bleibt weiterhin online, es werden aber in Zukunft keine neuen Inhalte eingepflegt.

Metabarcoding bezeichnet eine molekularbiologische Methode zur schnellen und automatisierten Identifikation von Arten in komplexen Umweltproben. Sie kombiniert die DNA-Sequenzierung mit bioinformatischen Auswertungen, um sämtliche Organismen einer Probe anhand eines standardisierten genetischen Markers, dem sogenannten Barcode, zu bestimmen. Ziel ist es, die biologische Vielfalt (Biodiversität) effizient, umfassend und möglichst objektiv zu erfassen.

Im Gegensatz zu klassischen Bestimmungsmethoden, bei denen Arten visuell oder morphologisch identifiziert werden müssen, nutzt Metabarcoding winzige genetische Unterschiede im Erbgut zur Arterkennung. Typischerweise werden kurze Abschnitte des mitochondrialen COI-Gens (Cytochrom c Oxidase I) bei Tieren verwendet, während bei Pflanzen, Pilzen oder Mikroorganismen andere Marker wie ITS (Internal Transcribed Spacer) oder rbcL genutzt werden.

Der Ablauf beginnt mit der Extraktion der gesamten DNA aus einer Probe, die aus Boden, Wasser, Kot, Sedimenten oder aus Fallen gesammelten Insekten bestehen kann. In einem nächsten Schritt werden gezielt die Barcode-Regionen mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) vervielfältigt. Diese werden anschließend durch Hochdurchsatzsequenzierung (Next Generation Sequencing, NGS) in Millionenfachem Maßstab ausgelesen. Die resultierenden Sequenzdaten werden schließlich mit umfangreichen Referenzdatenbanken abgeglichen, um die in der Probe enthaltenen Arten zu identifizieren.

Ein großer Vorteil des Metabarcodings liegt in der Möglichkeit, auch schwer bestimm- oder winzige Organismen, juvenile Entwicklungsstadien oder fragmentierte Proben zuverlässig zu erfassen. Dies macht die Methode besonders attraktiv für die Analyse hochdiverser Lebensräume wie Böden, aquatische Ökosysteme oder das sogenannte „fliegende Insektenplankton“.

Allerdings hat Metabarcoding auch methodische Grenzen: Die ermittelten Sequenzhäufigkeiten lassen sich nur bedingt in absolute Individuenzahlen oder Biomasse umrechnen, da Amplifikations- und Sequenzierungsverzerrungen sowie Unterschiede in der Zellzahl pro Organismus diese Relation beeinflussen. Moderne Auswertungsverfahren versuchen, diese Verzerrungen zu minimieren, etwa durch Standardisierung der Probenerfassung („Sample Coverage“) oder ergänzende Biomassemessungen.

In der Biodiversitätsforschung hat sich Metabarcoding als revolutionäres Werkzeug etabliert. Es erlaubt zeit- und kosteneffiziente Erhebungen über gesamte Artgemeinschaften hinweg und liefert wertvolle Daten für Naturschutz, Umweltmonitoring, invasive Artenkontrolle und ökologische Grundlagenforschung. Besonders in Kombination mit phylogenetischen Analysen können auch evolutionäre Zusammenhänge innerhalb von Artengemeinschaften untersucht werden – ein Aspekt, der in herkömmlichen Monitoringprogrammen oft unbeachtet bleibt.

Dank der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Sequenziertechnologien und Datenbanken gewinnt Metabarcoding zunehmend an Bedeutung und wird in Zukunft eine Schlüsselrolle bei der Erfassung und Überwachung globaler Biodiversität spielen.

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden, um die Benutzerfreundlichkeit dieser Website zu verbessern. Weitere Informationen zum Datenschutz und unsere Datenschutzerklärung für diese Webseite finden Sie hier.