Affenbrotbäume: Überlebenskünstler durch Klimawandel bedroht?

Einzigartige Architektur der Bäume ermöglichte bisher ein biblisches Alter

29.06.2018 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Afrikanische Affenbrotbäume (Baobabs) können über 2.000 Jahre alt werden. (Bildquelle: © iStock.com/Leamus)
Afrikanische Affenbrotbäume (Baobabs) können über 2.000 Jahre alt werden. (Bildquelle: © iStock.com/Leamus)

Wissenschaftler erforschen, warum Affenbrotbäume so groß und so alt werden können: Sie lassen Stämme mehrerer Generationen miteinander verwachsen. Doch nun haben sie auch den plötzlichen Tod einiger Bäume festgestellt. Krankheiten waren offensichtlich nicht die Ursache.

Afrikanische Affenbrotbäume (Baobabs, Adansonia digitata) sind berühmt: Sie sind uralt und aufgrund der Flaschenform ihrer Stämme unverkennbar. Viele dieser Bäume gelten in Afrika als heilig und haben sogar eigene Namen. Trotzdem weiß die Wissenschaft noch relativ wenig über diese Baumriesen, weder über ihr wahres Alter noch über ihren strukturellen Aufbau. In einer neuen Studie haben Forscher sich jetzt mit diesen Fragen näher befasst.

Die ältesten lebenden Bedecktsamer der Welt

Die Forscher untersuchten im Zeitraum zwischen 2005 und 2017 die 60 ältesten bzw. größten bekannten Baobabs in Afrika. Um das Alter der Baobabs zu bestimmen, nutzten sie die sogenannte Radiokarbonmethode. Hier wird das Alter anhand der Zerfallsrate eines überall natürlich vorkommenden, schwach radioaktiven Kohlenstoffisotops (C14) bestimmt.

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Spezielle Baum-Architektur: Gut erkennbar sind die an der Basis zusammen gewachsenen Einzelstämme.

Spezielle Baum-Architektur: Gut erkennbar sind die an der Basis zusammen gewachsenen Einzelstämme.

Bildquelle: © compuinfoto / Fotolia.com

Der älteste Baobab („Panke“) wurde auf ein Alter von 2.429 Jahren bestimmt, gefolgt vom „Doorslandboom“ mit 1.956 Jahren und dem „Glencoe Tree“ mit 1.931 Jahren. Damit bestätigte sich, dass die Baobabs die ältesten lebenden Bedecktsamer (Angiospermae) der Welt sind.

Multi-Stamm-Strategie

Auch zum Aufbau der Bäume konnten die Wissenschaftler interessante Entdeckungen machen: Normalerweise liegen bei Bäumen die ältesten Bereiche im Holz innen, die jüngeren weiter außen. Innen sind alte Bäume zudem manchmal hohl, zum Beispiel aufgrund von Zersetzung durch Pilze. Auch alte Baobabs besitzen im Inneren einen Hohlraum.

Bei den Altersuntersuchungen zeigte sich allerdings, dass die ältesten Bereiche im Stamm eines Baobabs nicht zur Mitte hin lagen. In der Nähe des zentralen Hohlraumes wurde das Holz wieder jünger, ähnlich wie in den außen liegenden Bereichen. Das deutete darauf hin, dass die Hohlräume im Inneren der Bäume nicht durch Verfall oder Zersetzung durch Pilze entstanden waren. Auch wurden die Räume im Inneren der Baobabs mit der Zeit immer kleiner, während normalerweise Hohlräume, die durch Zersetzung entstehen, mit der Zeit immer größer werden. Und: Es fehlte im Inneren der Hohlräume der Baobabs zersetztes Holz.

Stattdessen stellten die Forscher fest, dass die Stämme alter Bäume aus einem Ring von drei bis acht einzelnen Stämmen bestanden, die miteinander verwachsen waren. Die meisten Bäume bildeten so in der Mitte einen sich mit dem Alter schließenden, natürlichen Hohlraum. Bei einigen Bäumen war der Ring aus Stämmen nur an der Basis verwachsen und blieb oberhalb davon offen, so dass der Raum in der Mitte von außen sichtbar war. Die Forscher schlossen daraus, dass alle Baobabs ihr Leben zwar mit nur einem einzigen Stamm beginnen, aber die Fähigkeit besitzen, im Laufe der Zeit neue Stämme zu bilden. Durch die hohe Stabilität des verwachsenen Rings konnten die Bäume ihre außerordentliche Größe und ihr hohes Alter erreichen.

Plötzlicher Tod

Im Untersuchungszeitraum machten die Forscher zudem die Entdeckung, dass mehrere der ganz alten Bäume mehr oder weniger plötzlich gestorben waren. Insgesamt acht der 13 ältesten und fünf der sechs größten Bäume starben in der Zeit zwischen 2005 und 2017.

Die Wissenschaftler schließen aus, dass eine Krankheit die Ursache ist. Sie vermuten eher, dass der Klimawandel zumindest in Teilen daran schuld sein könnte. Die meisten der abgestorbenen Bäume standen im südlichen Afrika, wo es in den letzten Jahren nur sehr wenig Niederschlag gab. Obwohl die Baobabs eigentlich gut an Trockenheit angepasst sind, könnten die ungewöhnlich lang anhaltenden Dürren für die Bäume zu heftig gewesen sein. Ob Klimaänderungen und die damit einhergehenden Wetterextreme wirklich schuld am Tod der Baobabs sind, kann nur über weitere und langfristige Untersuchungen geklärt werden.

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