Räumliche Verteilung ist entscheidend

13.05.2010 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Verschiedene Pflanzenarten auf gemeinsamen Boden. (Quelle: © iStockphoto.com/ Duncan Walker)
Verschiedene Pflanzenarten auf gemeinsamen Boden. (Quelle: © iStockphoto.com/ Duncan Walker)

Der ökologische Landbau gilt Vielen als Inbegriff einer ressourcenschonenden und umweltverträglichen Landwirtschaft. Eine neue Studie aus dem vereinigten Königreich zeigt ein differenziertes Bild mit Stärken und Schwächen.

Der ökologische Landbau gilt vielen als Leitbild einer nachhaltigen Landnutzung. Vor allem im Hinblick auf die Erhöhung der Biodiversität wurden dem Biolandbau Vorteile zugerechnet. Eine Forschergruppe der Fakultät für Biowissenschaften an der Leeds Universität in England untersuchten in einem detaillierten Praxisvergleich (Farm Scale Anaylse) den Effekt des ökologischen Landbaus im Verhältnis zum konventionellen im Hinblick auf die Biodiversität. Ihr Ergebnis: der Nutzen des ökologischen Landbaus für Flora und Fauna ist weniger stark ausgeprägt, als bisher vermutet.

Die Untersuchung konzentrierte sich auf zwei Gebiete im Süd-Westen und im Norden Englands. Dadurch wurde gewährleistet, dass sich über 30 verschiedene Klimata, Geländestrukturen, sozial-ökonomische Bedingungen, Landnutzungsaspekte und Bodenarten in den Ergebnissen als Ganzes widerfinden. 32 ökologisch und konventionell wirtschaftende Betriebe wurden in der Studie einbezogen. Einige dabei in Regionen, mit einer Vielzahl an ökologischen wirtschaftenden Betrieben und einige in Gebieten mit einer sehr geringen Anzahl an Bio-Betrieben.

In diesen Betrieben wurden  insgesamt 192 Felder untersucht. Im Punkto Biodiversität analysierte die Studie das Vorkommen von Vögeln, Insekten, Regenwürmern und die Vielfalt an Pflanzen.Die Forscher konnten beim Vergleich der Betriebe nachweisen, dass ein 55%iger Ertragsverlust bei ökologischen Betrieben einem 12,4%igem Anstieg der Biodiversität gegenübersteht. In Gebieten mit einer hohen Dichte an ökologischen Betrieben fiel dieser positive Effekt auf die Biodiversität mit 9,1% im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft noch geringer.

Die Wissenschaftler konstatieren, dass man positive Effekte in einem direkten Feld-zu-Feld-Vergleich für Pflanzen nachweisen kann, wenn ohne Herbizide bewirtschaftet wird. Der direkte Vergleich erlaubt jedoch keine Rückschlüsse darauf, dass sich der ökologische Landbau auch positiv auf den Bestand beispielsweise der bestäubenden Insekten auswirkt. Gabriel fügte jedoch hinzu, dass wenn man die Mikroebene eines Feld-zu-Feld-Vergleiches verlässt und eine größere Anzahl von Feldern vergleicht, sich markante Vorteile für mehrere Spezies feststellen lassen.

Die Untersuchungen zeigten auch einige unvorhergesehenen negativen Auswirkungen. Konventionelle Betriebe nutzen in Gegenden mit einer Vielzahl an ökologischen Betrieben deutlich mehr Herbizide, da scheinbar der Druck durch Unkräuter in diesen Regionen größer war. Rückläufig auf den ökologisch bewirtschaften Flächen waren Populationen von kleinen Kulturlandschaftsvögeln, wie z.B. Finken. Diese Flächen zogen verstärkt Raubvögel wie Krähen-  oder Rabenvögel an, für welche die kleineren Vögel Beutetiere darstellen.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse der Studie, dass sowohl der ökologische, als auch der konventionelle Landbau Vorteile bietet. Das Forscherteam zieht die Schlussfolgerung, dass ökologischer Landbau auf Agrarflächen Großbritanniens für den Erhalt der Biodiversität unabdingbar ist, auf denen nicht höchst produktiv gewirtschaftet werden kann. Vor allem auf marginalen Standorten spielt dieser seine Vorteile voll aus.

Global gesehen sollte aufgrund des Wachstums der Weltbevölkerung und des damit verbundenen stark wachsenden Bedarfs an Nahrungsmitteln dort konventionell angebaut werden, wo die höchsten Erträge erzielt werden können. Dadurch würde auch der Flächendruck auf noch nicht pflanzenbaulich genutzte Flächen wie Wälder, Weiden oder Naturschutzgebiete verringert werden.   Festzustellen ist auch, dass die Zusammenhänge von Landbewirtschaftung und Biodiversität durch verwobene Nahrungsketten und Ausbreitungsmechanismen deutlich komplexer sind, als bisher angenommen.

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