Öko-Anbau der sich lohnt

30.09.2011 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Maisfeld. (Quelle: © iStock.com/pkripper503)

Maisfeld. (Quelle: © iStock.com/pkripper503)

Eine Langzeitstudie aus den USA zeigt ökologische und auch ökonomische Vorteile des biologischen Landbaus. Über einen Zeitraum von 18 Jahren wurden konventionelle und ökologische Landwirtschaft auf einer Versuchsfarm in Minnesota verglichen. Das Ergebnis: auch ohne Prämiumpreise kann sich „Bio“ für die Bauern lohnen.

Zahlreiche Studien belegen einen positiven ökologischen Effekt der Bio-Landwirtschaft. Vor allem die geringere Menge an mineralischem Dünger, hier vor allem Stickstoff, und weniger chemische Pflanzenschutzmittel sind für diesen Effekt verantwortlich. Für einen Landwirt ist das grüne Gewissen nur ein Entscheidungsfaktor bei der Umstellung auf einen ökologisch bewirtschafteten Betrieb. Vor allem muss der wirtschaftliche Erfolg auf Dauer gesichert sein. 

Kurzzeitstudien mit kleinflächiger Produktion haben in der Vergangenheit fast einheitlich bestätigt, dass die Biolandwirtschaft mit dem konventionellen Anbau auch ökonomisch konkurrieren kann. Ob dieser Erfolg über einen langen Zeitraum garantiert werden kann, kann die nun vorgestellte Langzeitstudie aus Minnesota (USA) beantworten. 

Trend zu Bio in den Industrieländern

Prinzipiell nimmt die Anzahl der ökologisch bewirtschafteten Betriebe in den USA wie hierzulande zu. So stieg der Anteil von Bioprodukten in den USA von 1997 von 3,6 Mrd. US Dollar auf über 21 Mrd. im Jahr 2008.  Vor allem Obst, Gemüse, Fleisch und Molkereiprodukte sind für diesen Markttrend verantwortlich. Die nach den Kriterien des ökologischen Landbaus genutzte Fläche erhöhte sich von knapp 400.000 ha (1992) auf 2 Mio. ha 2008. Ähnlich wie in Deutschland markiert diese Entwicklung noch einen Sonderfall in der Landwirtschaft. Gerade einmal 0,7 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche in den USA wird ökologisch bewirtschaftet. Zum Vergleich: Ende 2010 wurden in Deutschland knapp 1 Mio. Hektar von 22.000 Betrieben nach den EU-weiten Regelungen des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Der Anteil an der Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe lag bei 7% (2010), der der Fläche bei 6%. Hot Spots sind Brandenburg, das Saarland, Hessen und Mecklenburg Vorpommern mit jeweils knapp 10% Flächenanteil an der jeweiligen landwirtschaftlichen Nutzfläche. 

In Deutschland sind Bio-Lebensmittel auf Wachstumskurs. In einem sonst stagnierenden Markt konnten diese im Jahr 2008 ein Wachstum von 9% (auf 1,25 Mrd. Euro) verbuchen. Der Anteil am Gesamtumsatz der Lebensmittelbranche betrug 2008 3,2%. Branchenreports gehen für das Jahr 2020 von einem Anteil von 30 % aus. Schon heute gibt es kein Handelsunternehmen, welches auf Bio-Produkte verzichtet. Damit dieser Trend anhält, ist entscheidend, wie es den Bio-Bauern nach einer Umstellung der Betriebe geht. 

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Vor allem Obst, Gemüse sowie Fleisch und Molkereiprodukte in Bio-Qualität sind ein Trend auf dem deutschen Markt.

Vor allem Obst, Gemüse sowie Fleisch und Molkereiprodukte in Bio-Qualität sind ein Trend auf dem deutschen Markt.

Bildquelle: © iStockphoto.com/ Fedor Kondratenko

Langzeitstudie für den Mittleren Westen der USA

Gründe genug, den Wachstumsmarkt „Bio“ mit Langzeitstudien auf Herz und Nieren zu prüfen. Denn das Prämiumpreissegment „Bio“ könnte durch eine Ausweitung der Bio-Landwirtschaft und ein damit verbunden größeres Produktangebot unter finanziellen Druck geraten. Was den Verbraucher freut, schadet oftmals den Bauern. 

Eine der zentralen Forschungsfragen der Wissenschaftler war, ob Förderprogramme und die höheren Erzeugerpreise notwendig sind, um Bio-Landwirtschaft ökonomisch zu stützen. Für ihre Analyse nutzten die sie einen großflächigen Anbau. In die Betrachtung flossen zwei Fruchtfolgesysteme ein. Auf den ökologisch bewirtschafteten Feldern wurde in einer Vierjahres-Fruchtfolge Mais, Sojabohnen, Hafer mit Zwischenfrucht Luzerne, gefolgt von Luzerne als Hauptfrucht angebaut. Die konventionell bewirtschafteten Felder wurden in der gleichen Vierjahres-Fruchtfolge als auch in einer weit verbreiteten engen Zweijahres-Fruchtfolge bebaut. Bei dieser folgen auf Mais im ersten Jahr die Sojabohnen usw. In die ökonomische Bewertung flossen sowohl die Produktionskosten (Kosten für Treibstoff, Unterhalt der Maschinen, Dünge- und Pflanzenschutzmittel, Saatgutkosten etc.) als auch die Ertragsgewinne ein.

Enge Fruchtfolge erhöht die Produktionskosten

Die Auswertungen zeigen, dass bei der konventionellen Zweijahres-Fruchtfolge durchschnittlich höhere Produktionskosten pro Flächeneinheit entstanden als bei der konventionellen und der ökologischen Vierjahres-Fruchtfolge. Gründe für dieses Ergebnis liegen vor allem in niedrigeren Dünger-Gaben und geringeren Kosten für die Unkrautbekämpfung durch die erweiterte Fruchtfolge. Beim Bio-Anbau war die organische Düngung einer der Hauptkostenfaktoren. Während die mineralischen Dünger größeren Preisschwankungen unterlagen, und teilweise zu Dumpingpreisen eingekauft werden konnten, blieben die organischen Dünger auf einem stabil hohen Preisniveau. Verbessert haben sich die Produktionskosten ab dem Jahr 2002 beim konventionellen Anbau mit enger Fruchtfolge durch den Einsatz herbizidresistenter gv-Mais- und gv-Sojapflanzen. 

Die Ernteerträge variierten von Frucht zu Frucht und Jahr zu Jahr in allen betrachteten Szenarien. Die Mais- und Haferernteerträge zeigten über den Gesamtzeitraum von 18 Jahren jedoch keine Unterschiede zwischen konventionellem und organischem Anbau. Lediglich die Bio-Sojabohnen wiesen signifikant geringere Erträge auf. Ökologisch angebaute Luzerne zeigte in den ersten acht Versuchsjahren geringere Ernteerträge, die letzten zehn Jahre jedoch höhere. Diese Unterschiede lassen sich mit veränderten Anbaumethoden im Versuchszeitraum erklären.

Der für den landwirtschaftlichen Erfolg entscheidende Faktor sind primär nicht die Erträge, sondern der Gewinn. Der Gewinn ist abhängig vom Ernteertrag, aber auch von den Produktionskosten und dem Verkaufswert. Der Verkaufswert ökologisch erwirtschafteter Produkte liegt in der Regel deutlich über dem konventioneller Produkte. 

Die Langzeitstudie ermöglichte auch eine relative Bewertung des Gewinns, da sie jährliche Preisschwankungen im ökologischen wie auch konventionellen Anbau über einen längeren Zeitraum berücksichtigte. In der Langzeitstudie lag der Gewinn bei den ökologisch produzierten Feldfrüchten aufgrund der Preiszuschläge deutlich über den konventionell produzierten Pflanzen. Auch bei einer simulierten Reduktion der Preiszuschläge um 50% lag der Gewinn der Öko-Produkte pro Flächeneinheit über den der konventionellen Produkte. Wurde jedoch für alle Produkte der gängige Verkaufswert konventioneller Feldfrüchte angesetzt, so lohnte sich der Bio-Anbau aus ökonomischer Sicht nicht mehr.

Die Entscheidung zur Umstellung auf ökologische Landwirtschaft kann durch das Prämiumpreisniveau zu einem nachhaltigen ökonomischen Erfolg führen. Selbst wenn sich die zu erzielenden Preise für Öko-Ware im Laufe der nächsten Jahre um bis zu 50% reduzieren sollten, bliebe der ökonomische Vorteil der Bio-Produkte erhalten. Sollte der Preis für Bio-Ware auf das Niveau heutiger konventionell erzeugter Produkte sinken, müssten neben den ökonomischen Kosten auch die ökologischen Kosten Berücksichtigung finden. 

Warum nur wenige Bauern auf „Bio“ umstellen, konnte die Studie nicht klären. Vermutet werden kann, dass der Bio-Anbau einem deutlich komplexeren Konzept folgt, welches Bauern abschreckt. Die gewohnte und überschaubare Planungssituation ist für die Produzenten der Weg des geringeren Widerstandes. 

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Der Umstieg auf die Bio-Produktion erfordert eine komplexe Umstrukturierung des Landbaus. Die Umstellung auf den ökologischen Landbau dauert etwa drei Jahre. Erst nach dieser Zeit dürfen Bauern ihre Produkte als Bio-Ware verkaufen.

Der Umstieg auf die Bio-Produktion erfordert eine komplexe Umstrukturierung des Landbaus. Die Umstellung auf den ökologischen Landbau dauert etwa drei Jahre. Erst nach dieser Zeit dürfen Bauern ihre Produkte als Bio-Ware verkaufen.

Bildquelle: © iStockphoto.com/ Dmitry Kalinovsky

Übertragbarkeit der Studie

Die Autoren betonen, dass ihre Studie die Situation im mittleren Westen der USA über einen langen Zeitraum dokumentiert. Eine Übertragung auf andere Gebiete ist nicht möglich. Die in der Studie genutzte Vierjahres-Fruchtfolge stellt für den ökologischen Landbau eine eher ungebräuchliche Fruchtfolge dar. In der Regel nutzen Bio-Bauern vielfältigere Fruchtfolgen. Oder sie orientieren sich am Marktgeschehen. Auch kann der Anbau auf einer universitären Versuchsstation nicht 1:1 auf Familienbetriebe übertragen werden. Ausbildungsgrad und Teamarbeit einer Versuchsstation sind einer bäuerlichen Landwirtschaft überlegen. Erfahrungsgemäß liegen die Erträge auf Versuchsstationen immer über denen in der realen Landwirtschaft. Fixkosten, wie Maschinenabschreibungen wurden nicht einbezogen. 

Weitere Untersuchungen über die Wirtschaftlichkeit des Ökolandbaus sind somit nötig. Nicht einbezogen wurde die Umstellungsphase von 3 Jahren auf ökologischen Landbau. Der Landwirt stellt in dieser Zeit seine Anbaumethoden um, kann die Produkte jedoch noch nicht als Bio-Produkte zu höheren Preisen verkaufen. In Deutschland erhalten Bauern in dieser Phase einen finanziellen Ausgleich. Die Autoren führen auch an, dass der Vorteil der Studie, die relativ großen Versuchsflächen, nicht unbedingt typisch für Öko-Bauern ist. Oft sind es Bauern mit kleineren Betrieben, die auf Bio umstellen. Jedoch gestaltet sich in kleineren Betrieben die Ertragssituation anders. Allein durch eine bessere Maschinenauslastung können Großbetriebe effizienter wirtschaften. 

Die Studie zeigt jedoch, dass ökologische und konventionelle Landwirtschaft Systeme sind, die beide ihre Daseinsberechtigung im heutigen ökonomischen Gefüge haben. Beide Systeme besitzen Entwicklungspotenziale und können voneinander lernen.


Quelle: 

Timothy A. Delbridge et al. (2011). “Economic Performance of Long-Term Organic and Conventional Cropping Systems in Minnesota”. Agronomy Journal, Volume 103, No. 5, p. 1372-1382, DOI: 10.2134/agronj2011.0371 (Link).

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Titelbild: Maisfeld. (Quelle: © iStock.com/pkripper503)