Globale Forschung im Kampf gegen Weinviren und Vogelgrippe

03.11.2009 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Frauenhofer IME (Bild: © IME)
Frauenhofer IME (Bild: © IME)

Die Rezession hat die Forschung am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie im Krisenjahr 2008 nicht erreicht. Die Aachener und Schmallenberger können sogar ein Wachstum der Wirtschaftserträge verbuchen. Neue Gelder ermöglichen nun auch eine noch ambitioniertere Forschung im Kampf gegen eine der größten Bedrohungen des 21. Jahrhunderts: die Vogelgrippe

FRAUNHOFER-GESELLSCHAFT: Fraunhofer-Institut Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME)

Aachen/Schmallenberg/Berlin – Wenn Weinreben von Viren befallen werden, bleibt dem Winzer meist nur noch der Einsatz von Pestiziden. Die chemischen Substanzen bieten die letzte Möglichkeit, Schädlinge abzutöten und so die Ernte doch noch zu retten. Einrichtungen wie das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME) arbeiten daran, dass der Chemiekasten in Zukunft geschlossen bleiben kann. Das Weinvirus „Grapevine fanleave virus“, kurz GFLV, soll dank Erkenntnissen des IME bald der Vergangenheit angehören. Gentechnische veränderte Modellpflanzen weisen jetzt eine 100%ige Resistenz gegenüber GFLV auf. Der Einsatz dieser Pflanzen könnte Erträge sichern und den umweltschädlichen Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln deutlich minimieren. Generell wird der Nutzen aus Projekten wie dem der virusresistenten Rebe, gemäß dem Credo der Fraunhofer-Gesellschaft direkt in die Wirtschaft und Industrie übertragen. Ein gesellschaftlicher Zweck soll erkennbar sein. Anwendungsorientiertheit ist hier das Schlüsselwort, dem alle Forschungsarbeiten, die in den Instituten durchgeführt werden, unterstehen. Sichtbar wird dieses Vorhaben besonders an Riesenprojekten wie der Umweltprobenbank des Bundes. Seit 2000 ist das IME mit eigenen Räumlichkeiten und Forschern daran beteiligt. Exemplarische Testate aus der Umwelt sollen für die Nachwelt erhalten werden und im schlimmsten Fall, zur Wiederaufzucht dienen. Damit die gewonnenen Pflanzenproben ihrem Auftrag nach Nachhaltigkeit nachkommen können, lagern sie unter -150 °C in flüssigem Stickstoff.  

50 Jahre Forschung für Gesellschaft und Industrie

Das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME) ist Teil der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung. Der Verbund vereint 80 Einrichtungen, davon 58 Institute. Aufgrund seiner Größe bildet es die größte Organisation für Forschungsleistungen in Europa. An den Standorten Aachen und Schmallenberg bildet das IME ein Institut mit 192 Mitarbeitern. Fast die Hälfte davon sind Frauen. Seit 2001 ist das IME unter dem heutigen Namen in der Wissenschaftswelt bekannt. In selben Jahr übernahm auch Prof. Dr. Rainer Fischer die Leitung. Seinen Vorsitz des Instituts für Molekularbiologie behielt er bei. Der Grundstein für die heutige Form geht aus dem Institut für Aerobiologie von 1959 hervor.  

Mit Weinreben und Schimmelpilzen zum Erfolg

Schwerpunktmäßig beschäftigt sich der Aachener Institutsteil der Molekularbiologen mit Entwicklungen zur Therapie menschlicher und tierischer Krankheiten, sowie mit Projekten zum Schutz von Pflanzen und Nahrungsmitteln.  Neben dem Erfolg um GFLV-resistente Weinreben, schafften die Pflanzenforscher 2008 auch einen Durchbruch mit Weizenlinien, die gegen den Schimmelpilz Fusarium immun sind. Diese erfreulichen Leistungen finden nicht nur Anerkennung im Forscherfeld, sie schaffen auch gute Voraussetzungen für zukünftige Forschungsvorhaben. Laut IME-Jahresbericht konnte entgegen der Krise eine Steigerung der Wirtschaftserträge um 21% erreicht werden. So wurden 2008 knapp 40 neue Mitarbeiter eingestellt. Nach der Einstellungswelle sollen im Jahr 2009/10 noch 5 Wissenschaftler hinzukommen, hauptsächlich Chemiker. 

Brückenschlag nach Amerika 

Dem Aufwärtstrend folgt auch die transatlantische Fraunhofer-Schwester in den USA. Das 2001 ins Leben gerufene Fraunhofer Center for Molecular Biology (CMB) in Newark, Delaware, ist gewachsen und kann weiter expandieren. Mit der Positionierung auf dem US-Markt schlägt der Forschungsgigant so nicht nur eine wichtige Brücke zwischen der deutschen und amerikanischen Biotechnologie. Sie weiß dort auch gezielt die Aufmerksamkeit der richtigen Leute zu erregen. Für die Entwicklung eines pflanzenbasierten Wirkstoffs gegen die Vogelgrippe, erhielt das CMB den Zuschlag. 8,7 Millionen Dollar stellt Bill Gates aus seiner Bill & Melinda Gates Stiftung dafür zur Verfügung. Während die Marktlage in Nordamerika gefestigt zu sein scheint, wagt sich das deutsche Institut schon an seine nächste Erweiterung. Letztes Jahr wurden Vereinbarungen zur Eröffnung eines Instituts in Chile getroffen. Unter Führung des IME. 

Moderne Dienstleistung durch top Forschung

Zurück in Aachen bildet die institutsinterne Forschung nur einen Teil der Agenda für die Molekularbiologen. Das IME versteht sich nicht nur als Forschungseinrichtung der Forschung willen, sondern genauso als Dienstleistungsanbieter. Einen großen Anteil machen daher auch Auftragsarbeiten aus, die für Kunden aus der Pharma- und Ernährungsbranche erledigt werden. Dabei kann aus den vier Geschäftsfeldern Funktionelle und angewandte Genomik, Pharmazeutische Produktentwicklung, Pflanzenbiotechnologie, Integrierte Produktplattformen und Dienstleistungen der Abteilungen ausgewählt und der maßgeschneiderte Partner gefunden werden. Auch der Abschnitt Angewandte Oekologie unterliegt dieser Strategie. Hier liegt der Fokus auf synthetischen und biogenen Stoffen und den Risiken, die sich daraus für Verbraucher und Umwelt ergeben. Das Ziel der Forschung in Schmallenberg ist somit der Entwurf von Lösungen für eine Minimierung dieser Gefahren. In den fünf Abteilungen Pflanzenschutz, Chemikalien- und Produktsicherheit, Boden- und Gewässerschutz, Umweltmonitoring und Lebens- und Futtermittelsicherheit stellen sich die Wissenschaftler der ehrgeizigen Aufgabe, unsere Nahrung sicherer zu machen. Dabei agieren die Schmallenberger nicht immer allein. 

Mit Netzwerken die Fragen der Zukunft beantworten 

Das 2008 gegründete Fraunhofer-Allianz Food Chain Management, ein Netzwerk zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit, soll eine Bereicherung auf diesem Gebiet sein und durch vereinte Forscherkräfte drängende Fragen zum Thema Nahrung beantworten. Der Gesundheit der Umwelt und des Menschen stellt sich seit 2001 ebenfalls ein speziell ins Leben gerufener Verbund, der Fraunhofer-Verbund Life Sciences. Die fünf angehörigen Fraunhofer-Einrichtungen bearbeiten ausschließlich Vorhaben aus dem Fach Lebenswissenschaften. Durch die Synergieeffekte zwischen den Häusern verspricht man sich eine zielgesetzte, rasche Problemfindung. Eine funktionierende Kommunikation mit Partnern aus der Wirtschaft trägt zum Gelingen des interdisziplinären Verbundes bei. So tragen die „Fraunhofler“ auch verstärkt ihrem Prinzip der Anwendungsorientiertheit Rechnung.

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