Eine Bank mit drei Millionen Merkmalen

05.07.2011 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Weltweit größte Sammlung von Pflanzenmerkmalen ist online. (Quelle: © iStockphoto.com/ Ricardo Infante Alvarez)
Weltweit größte Sammlung von Pflanzenmerkmalen ist online. (Quelle: © iStockphoto.com/ Ricardo Infante Alvarez)

Mit TRY ist die weltweit größte Datensammlung zu Pflanzenmerkmalen online gegangen. Zwei Institute aus Deutschland sind maßgeblich beteiligt.

Mehr als 50 Forschungsprojekte haben bereits Gebrauch von den Daten gemacht, dabei wurde TRY erst jetzt öffentlich auf der Website des Journals Global Change Biology vorgestellt: Das TRY-Netzwerk ist eine Datenbank, die drei Millionen Merkmale von insgesamt 69.000 Pflanzenarten – rund einem Viertel alle Pflanzenarten der Erde – versammelt hat. Morphologie, Anatomie, Physiologie, Biochemie und phänologische Eigenschaften können Pflanzenforscher darin recherchieren und vergleichen.

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Die Datenbank des TRY-Netzwerks vereint Informationen zu drei Millionen Merkmalen von insgesamt 69.000 Pflanzenarten.

Die Datenbank des TRY-Netzwerks vereint Informationen zu drei Millionen Merkmalen von insgesamt 69.000 Pflanzenarten.

Quelle: www.try-db.org

TRY ist das Ergebnis einer bislang vierjährigen Zusammenarbeit von 106 Forschungseinrichtungen und wird vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena bereitgestellt. Daneben koordinieren die Universität Leipzig, IMBIV-CONICET in Argentinien, die Macquarie Universität in Australien sowie CNRS und die Universität Paris-Süd in Frankreich die Arbeiten.

TRY ist übrigens kein Acronym, sondern den Autoren des GCB-Papers zufolge „Ausdruck einer Stimmung“. Entstanden ist TRY, weil Mitte der 1990er Jahre die Erkenntnis keimte, dass das pflanzliche Ökosystem ein nur schwierig zu kalkulierender Faktor in den Klimamodellen ist – zu wenig Daten waren für genügend viele Arten bekannt oder verfügbar.

Das große Ziel wurde es deshalb, pflanzliche Eigenschaften wie Nährstoffkreisläufe sowie Wasser- und Kohlendioxidaufnahme genauer zu bestimmen. TRY soll für diese Forschung ein wichtiges Werkzeug werden und helfen, die Lücke zwischen Wissen und Modellierung zu schließen. Bislang hatten Ökosystem- oder Klimamodelle Pflanzen sehr grob eingeteilt in Gruppen wie Gräser oder immergrüne Bäume. TRY ermöglicht wesentlich präzisere Modelle.

Darüber hinaus versprechen sich die Projektleiter neue Erkenntnisse von Wert für Landnutzungsplanungen, Biogeografie und Evolution. Außerdem erwarten die Forscher neben einem besseren Verständnis der Biodiversität auch Einblicke in die funktionelle Diversität der Pflanzen.

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Über die Datenbank kann die globale Verbreitung von Pflanzen(merkmalen) nachverfolgt werden.

Über die Datenbank kann die globale Verbreitung von Pflanzen(merkmalen) nachverfolgt werden.

Quelle: www.try-db.org

Variation: Basis der Evolution

Eine erste Analyse der riesigen Datensammlung hat bereits neue Erkenntnisse ermöglicht. So stellten die Forscher zunächst wenig überraschend fest, dass die größte Variation zwischen Arten herrscht.

Das Ausmaß der Variation innerhalb der Arten hat die Wissenschaftler dann aber doch überrascht: Es macht 40 Prozent der gesamten Variation aus.

Hinsichtlich der Modelle für Ökosysteme gibt TRY ebenfalls wertvolle Hinweise. Zwar erfasst das Prinzip, Pflanzen nach ihrer ökologischen Funktion zu gruppieren, die meiste Variation. Aber für manche Merkmale finden drei Viertel der Variation innerhalb einer funktionellen Gruppe statt.

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