Gewogene Menschheit, ein gewichtiges Problem

26.06.2012 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Das Gewicht der Menschheit wurde von Forschern geschätzt. (Quelle: © iStockphoto.com/ Reid Veto)
Das Gewicht der Menschheit wurde von Forschern geschätzt. (Quelle: © iStockphoto.com/ Reid Veto)

278 Millionen Tonnen, soviel wiegt die erwachsene Bevölkerung der Erde. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie britischer Forscher. Sie betrachteten das Problem der Welternährung unter einem neuen Aspekt. Nicht die steigende Anzahl an Menschen, sondern deren Gewicht ist demnach das Problem. Denn: Mehr Gewicht bedeutet mehr Energieverbrauch in allen Lebenslagen.

Mehr als sieben Milliarden Menschen bevölkern die Erde. Bisher konzentrierte man sich primär auf die steigende Anzahl von zu ernährenden Menschen. Forscher legen nun einen neuen Schwerpunkt. Im wahrsten Sinne des Wortes: Sie errechneten das Gewicht der menschlichen Population sowie die Verteilung des Gewichtes nach Regionen. Denn der Bedarf an Energie (z.B. in Form von Nahrung) der menschlichen Population hängt nicht nur von der Anzahl der Menschen, sondern auch wesentlich von deren Masse, also dem Gewicht, ab.

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Ob Auto oder öffentliches Verkehrsmittel, je mehr Gewicht transportiert werden muss, desto mehr Energie wird benötigt. (Quelle: © johannes vortmann / pixelio.de)

Ob Auto oder öffentliches Verkehrsmittel, je mehr Gewicht transportiert werden muss, desto mehr Energie wird benötigt. (Quelle: © johannes vortmann / pixelio.de)

Britische Forscher ermittelten dafür den durchschnittlichen Body mass index (BMI) erwachsener Personen für jedes Land und schätzen dadurch das Gewicht der Bevölkerung der Erde. Zusätzlich schätzten sie den Anteil der Bevölkerung, der übergewichtig (BMI> 25) und adipös, also stark übergewichtig (BMI> 30), ist. Dazu werteten die Wissenschaftler Daten der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation aus.

Was bringt die Menschheit auf die Waage?

Ihren Schätzungen zufolge wog die erwachsene Bevölkerung im Referenzjahr 2005 rund 287 Millionen Tonnen. Davon waren 15 Millionen Tonnen auf Übergewicht (BMI> 25) zurückzuführen; 3,5 Millionen Tonnen auf Adipositas. Bei den Berechnungen wurden jedoch einige Länder aufgrund unzureichender Daten ausgeschlossen. Die Ergebnisse können daher nur Schätzwerte sein.

Mehr Gewicht = mehr Energieverbrauch

Je mehr Gewicht ein Körper hat, desto mehr Energie benötigt man, um diesen zu ernähren, aber auch um diesen zu bewegen. So benötigt er sowohl im aktiven Sinne durch körperliche Bewegung, als auch im Ruhezustand mehr Energie. Fettleibige Menschen verbrauchen zudem auch passiv mehr Energie, denn durch das zusätzliche Gewicht verbrauchen z.B. Autos und Busse deutlich mehr Kraftstoff. Sie konsumieren mehr Nahrungsmittel, welche in der Produktion und Handelskette Energie benötigen. Die Wirkungskette ist eine sehr komplexe und lässt sich noch weiter spinnen…

Noch betrifft dies vor allem die westliche Welt, an vorderster Front die USA. Der durchschnittliche BMI lag, den Forschern zufolge, bei 28,7. Verglichen mit Japan – BMI von 22,9 – ist dies ein hoher Wert. Während im globalen Mittel jeder Erwachsene durchschnittlich 62 Kilogramm wiegt, bringen die Nordamerikaner durchschnittlich stolze 80,7 Kilogramm auf die Waage. Dies war der höchste berechnete Wert. Im Vergleich dazu wiegt der durchschnittliche Asiate 57,7 Kilogramm.
Umso interessanter sind diese Werte, bedenkt man, dass Nordamerika 6% der Weltbevölkerung, aber 34% der Übergewichtigen ausmacht; Asien hingegen 61% der Weltbevölkerung, aber nur 13% des globalen Übergewichts.

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Eine Tonne des globalen Gesamtgewichts der Bevölkerung entspricht etwa 12 Erwachsenen in Nordamerika und 17 Erwachsenen in Asien.

Was wäre wenn…

alle Länder den durchschnittlichen BMI der USA hätten - durchschnittlich also über 80 Kilogramm wögen? Ein Szenario, dass nicht allzu abwegig klingt. Betrachtet man die sich sprunghaft verändernden Ernährungsgewohnheiten in Schwellen- und Entwicklungsländern, nimmt dieses bereits heute erschreckende Realität an. Käme es dazu, dann würde sich das Gesamtgewicht der Bevölkerung um 58 Millionen Tonnen erhöhen. Dies entspricht in etwa einer knappen Milliarde Menschen mehr auf der Erde!

In einem zweiten Szenario rechneten die Forscher mit dem BMI von Japan. Würden alle den durchschnittlichen BMI Japans haben, würde sich, im Gegensatz zum ersten Szenario, das Gesamtgewicht der menschlichen Bevölkerung um über 14 Millionen Tonnen verringern.

Japan und die USA wurden ausgewählt, da sie beide Länder mit hohem Einkommen und ausreichender Nahrungsmittelversorgung sind, sich ihre durchschnittlichen BMI-Werte jedoch in der Nähe von globalen Extremen bewegen.

Welternährung – ein neuer Ansatz

Will man die stetig wachsende Bevölkerung auch in Zukunft ernähren, so muss man sicherstellen, dass ausreichend Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. Ein Ansatz ist, die Erträge stabil zu halten und durch gezielte Maßnahmen kontinuierlich zu erhöhen. Denn die Anzahl an nutzbaren Ackerflächen ist limitiert und dies begrenzt die Produktionsmenge. Die Pflanzenforschung versucht seit langem dazu einen Beitrag zu leisten. So wird daran geforscht Pflanzen resistenter gegen Schädlinge und Krankheiten zu machen und dadurch Ernteausfälle zu minimieren. Auch durch Pflanzenzüchtung wurden viele gewünschte Eigenschaften bereits in unsere Kulturpflanzen eingebracht.

Die neue Studie macht jedoch auf weitere Aspekte aufmerksam: das Konsumverhalten und den kontinuierlich steigenden Energieverbrauch.

Essgewohnheiten haben sich im Laufe der Jahre gewandelt. Mit steigendem Wohlstand ändert sich neben den Lebensgewohnheiten (mehr Autos, größere Häuser, mehr technische Geräte, etc.) der Bevölkerung auch das Konsummuster bei Nahrungsmitteln. Es wird nicht nur mehr gegessen, auch der Konsum bestimmter Nahrungs- und Genussmittel erhöht sich. Was für einen armen Menschen als Luxus gilt, sprich nicht überlebensnotwendig ist, gehört für viele zum Lebensstandard. Die geänderten Gewohnheiten verbrauchen auch zudem kontinuierlich mehr Energie.

Die vorliegende Studie verdeutlicht das Problem anschaulich: Es leben nicht nur immer mehr, sondern auch immer mehr fettleibige Menschen auf der Erde. Fettleibigkeit stellt demnach nicht nur ein gesundheitliches Risiko, sondern durchaus auch ein ökologisches Problem dar. Zumal die Daten von 2005 stammen und die Zahlenwerte daher aktuell noch dramatischer ausfallen könnten. Für Klima, Umwelt und Ressourcen ist die gewichtige Menschheit wenig erfreulich. Wollen wir auf globaler Ebene den Energieverbrauch reduzieren, müssen wir daher auch beginnen die Lebensgewohnheiten zu überdenken.  

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