Klimaextreme gefährden Ernährungssicherheit

Industrialisierte Anbauregionen sind besonders betroffen

22.05.2019 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Es wird prognostiziert, dass extreme Ereignisse wie Dürren im Zuge des Klimawandels zunehmen werden. (Bildequelle: © vom/Fotolia.com)
Es wird prognostiziert, dass extreme Ereignisse wie Dürren im Zuge des Klimawandels zunehmen werden. (Bildequelle: © vom/Fotolia.com)

Wie wirken sich Klimaextreme auf die Ernteerträge aus? Eine Studie zeigt erstmals aus globaler Perspektive, wie Klimaextreme die Erträge von wichtigen Nutzpflanzen wie Mais oder Reis beeinflussen. Ein besseres Verständnis von den Zusammenhängen ist essentiell, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen und regional angepasste Lösungen zu finden.

Erinnern Sie sich an den Dürresommer 2018? Da wurde vielen zum ersten Mal bewusst, wie abhängig wir vom Wetter und von langanhaltenden Klimaveränderungen sind. Es wird prognostiziert, dass extreme Ereignisse wie Dürren, Hitzewellen oder Starkregen im Zuge des Klimawandels zunehmen werden. Was sind die Folgen für die landwirtschaftliche Produktion?

Klimaextreme beeinflussen die Erträge wichtiger Nutzpflanzen

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Das Team kam zu dem Ergebnis, dass Klimaextreme für 43 Prozent der Ertragsschwankungen bei Mais verantwortlich sind.

Das Team kam zu dem Ergebnis, dass Klimaextreme für 43 Prozent der Ertragsschwankungen bei Mais verantwortlich sind.

Quelle: © Gerhard Gellinger/Pixabay/CC0

Um das herauszufinden hat ein internationales Team unter Beteiligung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) den Einfluss von Klimaextremen während der Vegetationsperiode auf den Ertrag von wichtigen Grundnahrungsmitteln weltweit analysiert. Sie betrachteten dabei vier Nutzpflanzen: Mais, Reis, Sommerweizen und Sojabohnen. Sie kombinierten Ertragsdaten aus einer globalen Agrardatenbank mit weltweiten Daten zum Klima und Klimaextremen. Sie wendeten einen Algorithmus („Random Forest“) an, um Zusammenhänge zu identifizieren und herauszufinden, welche Klimafaktoren die größte Rolle bei den Ertragsschwankungen spielten.

Das Team kam zu dem Ergebnis, dass Klimaextreme für 18 bis 43 Prozent der Ertragsschwankungen verantwortlich sind. Im Detail waren es 18 Prozent bei Sommerweizen, 20 Prozent bei Sojabohnen, 27 Prozent bei Reis und 43 Prozent bei Mais. Sie stellten zudem fest, dass Extremtemperaturen während der Wachstumsphase sich stärker auf die Erträge auswirkten als Trockenphasen. Allerdings kann, der Studie zufolge, eine Bewässerung beim Anbau die negativen Auswirkungen von extremen Temperaturen teilweise mildern.

Kritische Regionen identifiziert

Nicht alle Regionen der Erde sind gleich stark betroffen. Kritisch wird es aber, wenn global relevante Anbaugebiete betroffen sind. Die meisten davon liegen in industrialisierten Anbauregionen. In Nordamerika betrifft dies den Anbau von Soja, Sommerweizen und Mais, in Europa Sommerweizen und in Asien Reis und Mais.

Die Autoren empfehlen, bei der Vorhersage landwirtschaftlicher Erträge und der Planung von Anpassungsmaßnahmen Klimaextreme stärker zu berücksichtigen. „Um die Widerstandsfähigkeit gegen extreme Klimabedingungen zu erhöhen, müssen auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene gemeinsame Anstrengungen unternommen werden, um die negativen Auswirkungen auf Landwirte und Gemeinden zu verringern, die von der Landwirtschaft abhängig sind, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten“, betont Erstautorin Dr. Elisabeth Vogel.

Die Ertragsschwankungen beeinträchtigen nicht nur die regionale Ernährungssicherheit. Auch für den Weltmarkt bergen sie Risiken, da weniger exportiert werden kann.

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Schlechte Ernten beeinträchtigen die regionale Ernährungssicherheit und bergen Risiken für den Weltmarkt, da weniger exportiert werden kann.

Schlechte Ernten beeinträchtigen die regionale Ernährungssicherheit und bergen Risiken für den Weltmarkt, da weniger exportiert werden kann.

Quelle: © TIMDAVIDCOLLECTION – stock.adobe.com

Globale Probleme verlangen globale Lösungen!

Ein Kommentar in „Nature“ weist ebenfalls auf die Anfälligkeit der Ernährungssysteme und Lieferketten und die Folgen von Ertragsschwankungen hin. Die Autoren nennen als Beispiel das Jahr 2012, in dem nach einem trockenen Sommer die schlechten Ernten in Europa und den USA die Preise für Mais und Sojabohnen auf ein Allzeithoch trieben, woraufhin in einigen Regionen Unruhen entstanden.

Nationale Strategien für mehr Nachhaltigkeit und Anpassungen an drängende Veränderungen – wie Weltbevölkerungswachstum und Klimawandel – greifen ihrer Meinung nach zu kurz. Sie können in anderen Regionen der Erde sogar die Lage verschlimmern. Ein Beispiel sind die Bemühungen der USA und EU, mehr Biokraftstoffe zu verwenden. Dies führte zu einer erhöhten Nachfrage nach Palmöl, was wiederum mehr Entwaldung in tropischen Ländern wie Indonesien zur Folge hatte.

Sie schlagen eine interdisziplinäre und globale Lösung für die bestehenden und zukünftigen Herausforderungen vor: Nötig sei ein globales Netzwerk, um Landwirtschaft, Biodiversität, Handel und Ernährung gemeinsam zu verwalten. Dafür müssen Experten aller Bereiche zusammenarbeiten, um Entwicklungen weltweit zu erfassen, bessere Modelle zu erstellen und eine gemeinsame Strategie zu erarbeiten, damit sinnvolle politische Maßnahmen verabschiedet werden können. Nur so könne man Entscheidungen treffen, welche die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) und das Pariser Klimaabkommen unterstützen, argumentieren die Autoren.

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