Weihnachtsspezial: Kirschorakel

08.12.2011 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Barbarazweige - ein Vorgeschmack auf den Frühling.(Quelle: © iStockphoto.com/Birute Vijeikiene)
Barbarazweige - ein Vorgeschmack auf den Frühling.(Quelle: © iStockphoto.com/Birute Vijeikiene)

Ein alter Brauch zur Adventszeit bringt mitten im schneeweißen Winter Blütenpracht ins Haus. Wer zum Barbaratag Obstzweige schneidet, erfährt vielleicht bald, welches Glück das kommende Jahr bringt.

Wenn draußen bitterkalte Temperaturen herrschen und alles von Schnee bedeckt ist, haben auch die Pflanzen sich auf den Winter eingerichtet. Die meisten Bäume haben im Herbst ihre Blätter fallen lassen und ihren Stoffwechsel auf ein Minimum heruntergefahren. In unseren Breiten sind die Tage im Winter kurz und die Sonne strahlt nicht so intensiv wie im Sommer. Deshalb warten viele Pflanzen auf den Frühling, um mit Sonnenenergie wieder auszutreiben und zu blühen.

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Wenn Kirschzweige in der Vase zu Weihnachten blühen.

Wenn Kirschzweige in der Vase zu Weihnachten blühen.

Quelle: © iStockphoto.com/Kata Ribanszky

Doch die kahlen Bäume sind im Winter nicht etwa tot. Nach einem alten katholischen Brauch zu Ehren von Barbara von Nikomedien, einer Schutzheiligen, schneidet man am vierten Dezember Obstzweige. Wenn man die Kirsch- oder Apfelzweige dann im hellen, warmen Zimmer in eine Vase mit Wasser stellt, blühen sie oft bis Weihnachten auf.

Dem Brauch nach wirkt der Kirschzweig dabei als Orakel: Wenn er viele Knospen treibt und prächtig erblüht, folgt ein fruchtbares Jahr mit reicher Ernte. Oft ritzten junge Mädchen auch den Namen ihres Liebsten in den Zweig und hofften bei auf vielen Blüten und eine baldige Hochzeit. In Franken wurde der Barbarazweig sogar als Weihnachtsbaum dekoriert und im Rheinland gab es zum Barbaratag Geschenke.

Der Kirschzweig weiß wenig von all den Hoffnungen, die die Menschen mit seinem Aufleben verbinden. In ihm wie in allen anderen Pflanzen sind winzige „Fühler“ versteckt, die ihn austreiben lassen. Wenn die äußeren Bedingungen günstig sind, also genug Licht und Wasser zur Verfügung steht und wärmere Temperaturen herrschen, registrieren das die Rezeptoren der Pflanze. Sie wirken wie eine „innere Uhr“ für den Jahres- und Tagesrhythmus. Photorezeptoren wie Phytochrome reagieren auf die Zusammensetzung des Lichtes und setzen im Frühjahr das Wachstum und die Blütenproduktion in Gang.

Auch wenn trotz der Kirschblüten zu Weihnachten noch nicht der Frühling beginnt, so werden doch ab 21. Dezember die Tage wieder länger.

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