Globaler Handel mit Nahrungsmitteln könnte das Klima massiv gefährden

25.11.2011 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Der Handel mit Getreide und Zucker, mit Soja und Fleisch hat sich seit 1950 mehr als verzehnfacht. (Quelle: © iStockphoto.com/ Nadezhda Emelyanova)

Der Handel mit Getreide und Zucker, mit Soja und Fleisch hat sich seit 1950 mehr als verzehnfacht. (Quelle: © iStockphoto.com/ Nadezhda Emelyanova)

Ein Ausbau des Welthandels mit landwirtschaftlichen Produkten wird laut einer neuen Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zwar Nahrungsmittel billiger machen, könnte aber auch zu einer deutlichen Verschärfung des Klimawandels führen. Hauptgrund: Ein globaler landwirtschaftlicher Handel wird zwangsläufig zu einer Ausweitung von Agrarflächen in den Tropen führen.

Den positiven Effekten wie sinkenden Produktionskosten mit Einsparungen von 6,5 bis 11 Billionen US-Dollar bis 2045 stünden dann steigende Treibhausgasemissionen von 10 bis 15 Prozent gegenüber, größtenteils verursacht durch Abholzung von Regenwäldern. Dieses hätte wiederum schwerwiegende Folgen für das Klima.

Die wichtigste Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Eine weltweite Öffnung der Märkte für landwirtschaftliche Produkte ist wichtig für die Welternährung, aber nur, wenn gleichzeitig auch auf internationaler Ebene Regeln für den Umwelt- und Klimaschutz geschaffen werden.

Laut Studie ist ein institutionalisierter Schutz der Wälder (zum Beispiel REDD , vgl. "17. Klimagipfel in Durban – ein Wendepunkt in der Klimapolitik") daher unerlässlich. Eine Liberalisierung des Handels könnte in Zukunft gekoppelt werden mit speziellen Regeln zum Schutz der Wälder. Aus den Einsparungen des globalen Handels könnten beispielsweise Ausgleichszahlungen oder Maßnahmen zum Klimaschutz finanziert werden.

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Ein institutionalisierter Schutz der Wälder ist unerlässlich

Ein institutionalisierter Schutz der Wälder ist unerlässlich

Bildquelle: © iStockphoto.com/SZE FEI WONG

Denkbar sind in diesem Zusammenhang auch globale Zertifizierungssysteme für nachhaltig produzierte Lebensmittel, vergleichbar mit denen für die Biokraftstoff-Produktion in der EU, wie sie unter anderem von verschiedenen Umweltverbänden schon länger gefordert werden. Denn dadurch, dass für Biokraftstoffe Nachhaltigkeitskriterien wie das Verbot von Waldrodungen angelegt werden, nutzen Landwirte bereits bestehende Ackerflächen zum Anbau von Energiepflanzen, um die Kriterien einzuhalten. Die vorher dort angesiedelte Nahrungsmittelproduktion braucht nachfolgend neue Flächen, für die unter Umständen sensible Gebiete wie Wälder gerodet werden. Diese „indirekten Landnutzungsänderungen“ würden in einem globalisierten Handel ohne Kontrolle durch ein spezielles Nachhhaltigkeitssystem massiv verschärft (vgl. „Wie viel Kohlendioxid setzen Biokraftstoffe wirklich frei?“).

Auch die Entwicklung besserer Anbaumethoden zur Ertragssteigerung sei ein wichtiger Beitrag, um die globale landwirtschaftliche Produktion umweltfreundlich zu gestalten, so die Forscher. Höhere Erträge auf bereits bestehenden Flächen würden sowohl der Sicherung der Welternährung als auch dem Umwelt- und Klimaschutz dienen (vgl. „Am Scheideweg der Welternährung“).

In Anbetracht des Klimagipfels in Durban weisen die Forscher darauf hin, dass globaler Welthandel und Klimaschutz nicht mehr getrennt betrachtet und behandelt werden sollten.


Quelle:

Schmitz C. et al. (2011): Trading more Food - Implications for Land Use, Greenhouse Gas Emissions, and the Food System. Global Environmental Change, [doi:10.1016/j.gloenvcha.2011.09.013] (in press).