Schon gewusst? Ameisen als Pflanzenfreunde

Ameisenpflanzen pflegen eine innige Beziehung zu den sechsbeinigen Krabblern

16.07.2021 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Ameisen der Gattung Pseudomyrmex leben in den ausgehöhlten Dornen dieses Akazien-Baumes und verteidigen ihn gegen Fraßfeinde. Die Ameisenpflanze produziert im Gegenzug für die Ameisen Futterkörperchen an den Enden der Blätter.  (Bildquelle: © Judy Gallagher / flickr / CC BY 2.0)

Ameisen der Gattung Pseudomyrmex leben in den ausgehöhlten Dornen dieses Akazien-Baumes und verteidigen ihn gegen Fraßfeinde. Die Ameisenpflanze produziert im Gegenzug für die Ameisen Futterkörperchen an den Enden der Blätter. (Bildquelle: © Judy Gallagher / flickr / CC BY 2.0)

Diese Pflanzen ziehen Ameisen magisch an. Sie bieten den Tieren Wohnraum und teilweise Nahrung. Im Gegenzug schützen die Ameisen die Pflanzen vor Fraßfeinden, gegen den Bewuchs durch Epiphyten oder liefern wertvolle Nährstoffe. Die meisten Ameisenpflanzen gibt es in den Tropen.

Pflanzen haben es schwer, denn vor Pflanzenschädlingen können sie nicht fortlaufen. Um sich dennoch vor Fraßfeinden zu schützen, haben sie im Verlauf ihrer Evolution unterschiedlichste Abwehrmechanismen entwickelt: Chemische Abwehrstoffe, Stacheln und Dornen (vgl. „Ring frei!“).

Ameisen als „body guards“

Doch es geht auch anders: Auch tierische Freunde können sie retten. So entstand in den Tropen bei einigen Pflanzengattungen eine Lebensgemeinschaft mit Ameisen, die als „body guards“ fungieren und schädliche Insekten in die Flucht schlagen. Als Myrmekophylaxis bezeichnet man diese Zusammenarbeit in der Fachsprache.

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Hier wohnen Ameisen: Die Ameisenakazie lässt einige Dornen als Behausung für Ameisen anschwellen.

Hier wohnen Ameisen: Die Ameisenakazie lässt einige Dornen als Behausung für Ameisen anschwellen.

Bildquelle: © Andrei Arz / Pixabay / CC0

Locken mit Nektar und Wohnraum

Die Ameisen sind entweder Dauergast bei den Ameisenpflanzen oder werden nur vorübergehend durch Nektar angelockt – je nach Pflanzenart haben sich unterschiedliche Lebensgemeinschaften entwickelt. Die Dauergäste bekommen von der Pflanze sogar eine Behausung: Spezielle Hohlräume in Stängeln, Blattstielen, Rhizomen oder Blattaschen können die Ameisen als Nistraum für ihre Kolonie nutzen. Diese „Unterkünfte“ werden Myrmekodomatien genannt. Um die Wohngemeinschaft für die Tiere noch attraktiver zu machen, produzieren die Ameisenpflanzen häufig noch protein- oder fettreiche Futterkörperchen für ihre Mitbewohner – so bei der Ameisenakazien oder bei den Cecropien.

Sogar konkurrierende Pflanzen werden attackiert

Bei so viel Komfort ist es nicht verwunderlich, dass die Ameisen ihre Futterpflanze verteidigen. Mit hoher Aggression verjagen sie nicht nur Pflanzenfresser, sondern auch Insekten, die sich vom Nektar der Ameisenpflanzen ernähren wollen.

Einige Ameisenarten gehen sogar auf Pflanzen los, die in der Nähe ihrer Pflanze wachsen. Diese werden solange mit den Mundwerkzeugen bearbeiten, bis sie absterben. Auch bekämpfen diese Ameisen Epiphyten und Kletterpflanzen, die an oder auf der Ameisenpflanze wachsen. Auf diese Weise hat die Futterpflanze viel Platz zum Wachsen.

Bunte Wohngemeinschaften

In einigen Fällen wird das Wohnen auf der Ameisenpflanze aber auch „multikulti“ und etwas toleranter. Denn manche Ameisen wissen die Vorteile zu schätzen, die einige Blatt-, Wurzel- oder Schildläusen für sie bereithalten. Sie bewachen und „melken“ diese Tiere. Denn die Läuse dringen mit ihren Mundwerkzeugen bis in das Phloem der Pflanze ein und ernähren sich von dessen kohlenhydratreichem Saft. Dabei nehmen sie viel mehr Zucker auf, als sie benötigen und scheiden den Überschuss als klebrigen Honigtau über den After aus. Eine willkommene Nahrungsergänzung für die Ameisen.


Quellen:

  • Trautmann, A. (2018): Geheimnisvolle Pflanzenwelt – Verborgenes in der Natur entdecken. Mainz: Andrea Michaela Trautmann, ISBN 978-1-9770-1914-1.
  • Pinkalski, C. et al. (2017): Foliar uptake of nitrogen from ant faecal droplets: An overlooked service to ant-plants. In: J Ecol. 2017;00:1–7, (31. August 2017), doi: 10.1111/1365-2745.12841.
  • Fiala, B. (1990): Ameisenpflanzen – eine Auswahl. In: Pflanzen und Ameisen: Partnerschaft fürs Überleben, (Der Palmengarten, Sonderheft 15). Frankfurt: Stadt Frankfurt am Main.
  • Universität Wien: Ameisenpflanzen. (Abgerufen am 14.07.2021)

Weiterführende Informationen:

Zum Weiterlesen:

Titelbild: Ameisen der Gattung Pseudomyrmex leben in den ausgehöhlten Dornen dieses Akazien-Baumes und verteidigen ihn gegen Fraßfeinde. Die Ameisenpflanze produziert im Gegenzug für die Ameisen Futterkörperchen an den Enden der Blätter. (Bildquelle: © Judy Gallagher / flickr / CC BY 2.0)