Schon gewusst? – Raps schlägt Apfel

Honigbienen sind zur Apfelbestäubung nutzlos, wenn in der Nähe Raps blüht

12.05.2021 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Raps zieht Honigbienen magisch an. (Bildquelle: © Albin Andersson)

Raps zieht Honigbienen magisch an. (Bildquelle: © Albin Andersson)

Apfelbauern wollen eine üppige Ernte. Daher stellen sie gern Honigbienenvölker in ihre Plantagen, damit die Apfelblüten von den fliegenden Helfern reichlich bestäubt werden. Doch wenn in der Umgebung die Rapsfelder blühen, gehen die Honigbienen fremd. Sie bevorzugen die Nektar-reicheren Rapsblüten. Eine Studie zeigt, dass Wildbienen die bessere Alternative sind.

Fährt man im Frühjahr durch Deutschland, springen einem die leuchtend gelben Raps-Felder schon von weitem ins Auge. Nicht nur uns! Eine Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) hat ergeben, dass Honigbienen Raps (Brassica napus L.) bevorzugen, wenn sie die Wahl zwischen Apfel- und Rapsblüten haben.

Woran liegt das?

„Apfelblüten produzieren etwas weniger Nektar als Rapsblüten“, erklärt Julia Osterman, Biologin und Erstautorin der Studie. Und das wissen wohl auch die Honigbienen. Die Konkurrenz zwischen Apfel und Raps ist zudem gestiegen. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Anbaufläche von Raps in Europa deutlich zugenommen. Das könnte die Apfelbauern ärgern, denn sie stellen auf ihre Kosten oft Honigbienenvölker zur Bestäubung in die Plantagen.

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Hummeln und andere Wildbienen „retteten“ in den Experimenten die Apfelernte, da sie weniger von anderen Nahrungsangeboten abgelenkt wurden.

Hummeln und andere Wildbienen „retteten“ in den Experimenten die Apfelernte, da sie weniger von anderen Nahrungsangeboten abgelenkt wurden.

Bildquelle: © lenskaya_jz / Pixabay / CC0

Trotzdem gute Apfelernte?

Äpfel sind in hohem Maße auf die Fremdbestäubung angewiesen, um Früchte zu bilden. Das Interessante war, dass in der Studie die Raps-Konkurrenz und untreue Honigbienen keine negativen Auswirkungen auf die Apfelernten hatten. Wie kann das sein?

Die Antwort ist einfach: Honigbienen sind nicht die einzigen Bestäuber von Äpfeln. Die Ergebnisse legen nah, dass Wildbienen offenbar die fehlenden Bestäuberdienste kompensierten. Die Zahl der Hummeln, die Apfelblüten besuchten, blieb trotz Rapskonkurrenz stabil, aber es kamen deutlich mehr andere Wildbienen. „Wir haben die meisten Wildbienen in den Apfelanlagen gesehen, die direkt von Raps umgeben waren“, sagt Professor Robert Paxton von der MLU.

Das mag zwei Gründe haben: Honigbienen können deutlich größere Distanzen – bis zu zehn Kilometer – am Tag zurücklegen. Wildbienen dagegen haben einen deutlich kleineren „Sammelkreis“. Und Honigbiene und Wildbienen machen sich offenbar Konkurrenz bei ihren Blütenbesuchen. Fliegen die Honigbienen zum Raps, machen sie auf den Apfelbäumen Platz für ihre wilden Verwandten.

Die Autor:innen schlussfolgern daraus, dass Obstbauern mehr auf Wildbienen als Helfer setzen sollten. „Hummeln und andere Wildbienen könnten lukrativer sein, da sie ähnlich effektive Bestäuber sind und weniger von anderen Nahrungsangeboten abgelenkt werden“, betont Osterman. Mehr Insektenhotels statt nur Bienenstöcke wären also eine Lösung.


Quelle:
Osterman J. et al. (2021): Apple pollination is ensured by wild bees when honey bees are drawn away from orchards by a mass co-flowering crop, oilseed rape. In: Agriculture, Ecosystems and Environment, (15. Januar 2021), doi: 10.1016/j.agee.2021.107383.

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Titelbild: Raps zieht Honigbienen magisch an. (Bildquelle: © Albin Andersson)