Schon gewusst? – Heißblütige Pflanzen

Manche Pflanzen locken mit Wärme oder schmelzen Schnee

23.06.2021 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Schneeglöckchen: Ihre Zwiebeln funktionieren wie kleine Heizstäbe im Boden. Sie schmelzen den Schnee und die Pflanzen kommen so schneller aus dem Boden und zum Blühen. (Bildquelle: © sunflair / Pixabay / CC0)

Schneeglöckchen: Ihre Zwiebeln funktionieren wie kleine Heizstäbe im Boden. Sie schmelzen den Schnee und die Pflanzen kommen so schneller aus dem Boden und zum Blühen. (Bildquelle: © sunflair / Pixabay / CC0)

Was haben Aronstab, Schneeglöckchen und Philodendron gemeinsam? Diese Pflanzen können sich aufheizen. Das hilft bei der Bestäubung oder ermöglicht frühes Wachstum trotz eisiger Temperaturen.

Normalerweise kennen wir das nur von den sogenannten „gleichwarmen“ Tieren: Die – und natürlich auch wir Menschen – können die Körpertemperatur regulieren. So hat beispielsweise der menschliche Körper eine relativ konstante Temperatur um die 37 Grad Celsius, auch wenn wir im Winter bei minus 20 Grad Celsius durch den Schnee stapfen. Doch einige wenige Pflanzenarten können das auch: Sie sind in der Lage, einzelne Pflanzenteile – Blüten oder unterirdische Organe – weit über die Umgebungstemperatur gezielt aufzuheizen. Ein Phänomen, dass Thermogenese genannt wird.

Wärme als Lockmittel

Wenn Pflanzen sich aufheizen, dann ist das eigentlich eine Energieverschwendung. Sie erhöhen die Zellatmung in Blüten oder Blättern, ohne dass der Stoffwechsel etwas davon hat. Zucker oder Fette werden einfach verbrannt und lediglich Wärme entsteht.

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Philodendron: In seinen warmen Blüten können sich Bestäuber aufwärmen und dann trotz kühler Außentemperaturen von Blüte zu Blüte bewegen.

Philodendron: In seinen warmen Blüten können sich Bestäuber aufwärmen und dann trotz kühler Außentemperaturen von Blüte zu Blüte bewegen.

Bildquelle: © Peter A. Mansfeld / wikimedia.org / CC BY 3.0

Und doch hat das einen Sinn: Mit diesem Trick locken sie bestäubende Insekten an und können sich so erfolgreich fortpflanzen. Denn die Insekten sind bei vielen Pflanzenarten als Bestäuber heißbegehrt und da muss sich eine Pflanzenart etwas einfallen lassen, um für Bestäuber attraktiver zu sein als die Nachbarn.

Aronstab: Warme Blüten verbreiten besser Lockstoffe

Der Aronstab (Arum maculatum) wird von Fliegen und Käfern bestäubt. Er besitzt im Blütenkolben einen Fortsatz, in dem eine große Menge Stärke eingelagert ist. Öffnen sich die Blüten, beginnt in diesem Pflanzenteil eine heftige Zellatmung, die in zwölf Stunden fast Dreiviertel der Stärke verbrennt. Die Atmung ist dabei 20- bis 40-fach höher als in unserem stoffwechselaktivsten Organ, dem Gehirn. Dadurch erhitzt sich die Blüte auf ca. 40 Grad Celsius und ihre „Duftstoffe“  – es handelt sich um Aasgeruch – verbreiten sich schnell über weite Distanzen. Das zieht aasliebende Fliegen an, die für die Bestäubung der Blüte sorgen.

Philodendron: Ein warmes Domizil für Bestäuber

Wenn man früh im Jahr blühen will, kann es noch an Bestäubern mangeln. Denn bei niedrigen Außentemperaturen ist es manchem Insekt noch viel zu kalt, um voll beweglich oder gar flugtauglich zu sein. Doch es gibt da einen Helfer in der Not. Der Philodendron, auch Baumfreund genannt, versorgt bestäubende Käfer und Fliegen mit der notwendigen Wärme. Diese Pflanze hält seine Blütentemperatur immer genau auf 42 °C. Je kühler es in der Umgebung ist, desto mehr heizt der Philodendron. Hier können sich die Insekten aufwärmen und dann idealerweise zur nächsten beheizten Philodendron-Blüte weiterfliegen oder krabbeln. Von einer „Wärmeoase“ zur nächsten.

Ab durch die Schneedecke

Wärme kann aber auch noch ganz anders von Pflanzen genutzt werden: Um möglichst schnell zu wachsen und blühen. So nutzen Schneeglöckchen die erste Frühlingssonne im Wald, wenn die Sonnenstrahlen noch nicht vom Laub der Bäume abgeschirmt werden. Doch oft liegt dann noch Schnee und verhindert das Austreiben der jungen Triebe.

Kein Hindernis für Schneeglöckchen: Es wendet einen Trick an, indem es den Schnee zum Schmelzen bringt. Denn in der unterirdischen Zwiebel wird die Atmung hochgefahren und die Temperatur erreicht hier 8 bis 10 Grad Celsius. Zusätzlich nutzt das Schneeglöckchen das entstehende Schmelzwasser als begehrte Wasserquelle.


Quellen:

  • Trautmann, A. (2018): Geheimnisvolle Pflanzenwelt – Verborgenes in der Natur entdecken. Mainz: Andrea Michaela Trautmann, ISBN 978-1-9770-1914-1.
  • Peter Schopfer, Axel Brennicke (2006): Pflanzenphysiologie. Elsevier, München, ISBN 3-8274-1561-6, S. 248f.

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Titelbild: Schneeglöckchen: Ihre Zwiebeln funktionieren wie kleine Heizstäbe im Boden. Sie schmelzen den Schnee und die Pflanzen kommen so schneller aus dem Boden und zum Blühen. (Bildquelle: © sunflair / Pixabay / CC0)