US-Studie prognostiziert katastrophale Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernährungssicherheit

09.11.2009 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Trockenheit bedroht die Ernte. (Quelle: © Verena N. / pixelio.de)
Trockenheit bedroht die Ernte. (Quelle: © Verena N. / pixelio.de)

Der Klimawandel wird in den kommenden Jahrzehnten die Versorgung mit Nahrungsmitteln weltweit massiv gefährden. Dies prognostiziert eine Anfang 2009 publizierte Studie, die ein beängstigendes Szenario der zukünftigen Welternährungssituation entwirft.

Der Klimaforscher David Battisti von der Universität von Washington in Seattle und die Umweltökonomin Rosamond Naylor von der Universität Stanford untersuchten in ihrer Studie die Auswirkungen zweier historisch bedeutender temperaturinduzierter Störungen auf die Produktion von Lebensmitteln (2003 in Frankreich und 1972 in der Ukraine).

Hierzu werteten die Forscher die 23 Klimamodelle des Weltklimarates IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change) zur Temperaturentwicklung vor dem Hintergrund der Nahrungsmittelsicherheit aus.

Die Forscher sind überzeugt, dass die höheren Temperaturen in den Tropen und Subtropen die Ernteerträge von Grundnahrungsmitteln mit einer hohen Wahrscheinlichkeit um bis zu 40 Prozent verringern werden. Da die drei Milliarden Menschen in diesen Klimazonen größtenteils auf lokal erzeugte Nahrungsmittel wie Reis und Mais angewiesen sind, könnte gegen Ende des Jahrhunderts die Hälfte der Erdbevölkerung von Hungersnöten bedroht sein - und das bei deutlich steigender Bevölkerungszahl.

Die Hitzewelle von 2003 hatte in Teilen Westeuropas dramatische Auswirkungen auf die europäische Getreideproduktion. Während der Vegetationsperiode lagen die Tages- und Nachttemperaturen in Frankreich im Durchschnitt um 3,6°C im Vergleich zum langjährigen Mittel höher. Viele Kulturpflanzen reiften bevor die Kornentwicklung abgeschlossen war oder bildeten ihre Blätter nicht vollständig aus. Infolgedessen kam es zu Ernteverlusten im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent bei Weizen, um 25 Prozent bei Obst und um 30 Prozent bei Mais. Der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft stieg ebenfalls signifikant. An Hitzestress starben im Jahr 2003 rund 35.000 Europäer davon allein 15.000 in Frankreich während der ersten drei Wochen der Hitzeperiode. Die finanziellen (Ernte-)ausfälle des Sommers 2003 durch Hitze, Trockenheit und Waldbrände wurde in Westeuropa insgesamt auf € 13,1 Mrd. geschätzt.

Die Dürre von 1972 hatte die Produktion von Weizen in der Ukraine einbrechen lassen und zur einer Krise im weltweiten Getreidemarkt geführt. Die geringen Schneeverhältnisse und niedrigen Temperaturen im Winter gepaart mit hohen Temperaturen und großer Trockenheit im Sommer lösten diese Störungen aus und führten zu einer Verdreifachung der Preise von Weizen. Während seit dem Zweiten Weltkrieg einer ansonsten stetiger Rückgang der Preise zu verzeichnen war. Im Jahr 2003 führten ebenfalls die hohen Temperaturen bei wenigen Niederschlägen zu Produktionseinbrüchen um 70% im ukrainischen Weizenmarkt.

Für die semiaride Sahelzone, ein landwirtschaftlich prekärer Gürtel von Flächen in Afrika zwischen der Sahara im Norden und der Savanne im Süden, sagen die Forscher einen Temperaturanstieg von mehreren Grad Celsius voraus. Die Sahelzone dürfte sich in eine Region wandeln, die nicht länger Landwirtschaft ermöglicht. Brisant ist dies, da in diesem Gebiet etwa 60% der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebt. Hier werden 40% des Bruttosozialprodukts in der Landwirtschaft erwirtschaftet.

Battisti und Naylor behaupten, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Tropen und Subtropen künftig Temperaturen vorherrschen werden, die die heißesten Hitzeperioden des letzten Jahrhunderts kontinuierlich übertreffen. Da in diesen Klimazonen größtenteils lokal erzeugte Nahrungsmittel konsumiert werden, wird der Temperaturanstieg katastrophale Auswirkungen haben. Es ist zu erwarten, dass es zu Hungersnöten kommen wird und dass die Menschen aus diesen Gebieten abwandern.

Europa wird nicht unbetroffen bleiben. Am Ende des 21. Jahrhunderts werde es dauerhaft klimatische Verhältnisse geben wie bei der Hitzewelle 2003. Battisti warnt: „Wenn die zunehmenden Temperaturen am Ende des 21. Jahrhunderts dauerhaft hoch bleiben und in weiten Teilen der Welt die bisher gemessenen heißen Werte weit übersteigen, dann ist die globale Lebensmittelversorgung ernsthaft gefährdet.“

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