Ein gesunder Kompromiss

Gesünder essen und weniger wegwerfen

17.05.2021 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Gesünder essen oder weniger wegwerfen? Leider ist die Lösung nicht ganz so einfach. (Bildquelle: © iStock.com/Candle Photo)

Gesünder essen oder weniger wegwerfen? Leider ist die Lösung nicht ganz so einfach. (Bildquelle: © iStock.com/Candle Photo)

Was hat mehr Vorteile für die Umwelt, eine stärker pflanzenbasierte Ernährung oder Lebensmittelabfälle vermeiden? Das haben Forschende aus Freiburg untersucht. Ihr Ergebnis: Eine pflanzenbasierte Ernährung würde den ökologischen Fußabdruck deutlich verringern. Aber es gibt auch Zielkonflikte. Daher fordern sie: Es bedarf einer Kombination verschiedener Ansätze, um den Ressourcenverbrauch zu reduzieren.

Um auch zukünftig alle Menschen auf dieser Erde satt zu bekommen, müssen wir unseren ökologischen Fußabdruck verringern. Wir müssen die natürlichen Ressourcen schonen und unsere Erde von unserem Konsum entlasten.

Thema ist längst in der Politik angekommen

Auch die Politik hat die Dringlichkeit erkannt. Weltweit sind Initiativen am Start, um gegenzusteuern. Oft fokussieren sie darauf, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Denn für die Produktion der Lebensmittel werden unter anderem Fläche, Wasser und Energie verbraucht. Werfen wir sie achtlos weg, sind diese Ressourcen umsonst eingesetzt worden.

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Noch immer landen zu viele Lebensmittel im Müll: Das Thünen-Institut hat 2019 ermittelt, dass zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich weggeworfen werden. Der überwiegende Teil der Lebensmittelabfälle entsteht in privaten Haushalten.

Noch immer landen zu viele Lebensmittel im Müll: Das Thünen-Institut hat 2019 ermittelt, dass zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich weggeworfen werden. Der überwiegende Teil der Lebensmittelabfälle entsteht in privaten Haushalten.

Bildquelle: © iStock.com/Daisy-Daisy

Darum ist es nicht verwunderlich, dass das Thema eines der 17. Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (UN) geworden ist. Ziel des Sustainable Development Goal (SDG) #12 ist es, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und auch das gesamte Konsumverhalten nachhaltig zu verändern.

In Deutschland beschloss die Bundesregierung 2019 die Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Sie zielt darauf ab, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung in Deutschland im Einzelhandel und in privaten Haushalten pro Kopf zu halbieren sowie Nachernteverluste zu verringern.

Kann eine pflanzenbasierte Ernährung helfen?

Doch könnte nicht auch eine Änderung unserer Ernährungsgewohnheiten helfen? Heute sind rund 70-80 Prozent des gesamten Fußabdrucks von Ackerland und Biomasse mit dem Verzehr tierischer Produkte verbunden. Wenn wir weniger tierische Produkte essen würden, könnte beispielsweise der Anbau von Futtermitteln reduziert und die freigesetzte Fläche für die Lebensmittelproduktion genutzt werden. Aber welche Strategie – eine Ernährungsumstellung oder eine Reduzierung von Lebensmittelabfällen – hat mehr Vorteile für die Umwelt?

Diese Frage wollte ein Team der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg beantworten. Dafür haben sie am Beispiel von Deutschland untersucht, wie verschiedene Ernährungsstile und die Reduzierung von Lebensmittelabfällen sich auf wichtige Ressourcen auswirken. Als Referenzjahr diente 2013.

Sie verwendeten dabei drei ernährungsphysiologische Szenarien: eine Ernährungsweise, die (1) den Konsum von Fleisch vorsieht, (2) wenig Fleisch enthält sowie (3) eine rein vegetarische und milcharme Ernährung. Mithilfe eines Modells hat das Team die Ressourcen-Fußabdrücke dieser Ernährungsweisen verglichen. Sie konzentrierten sich auf die Auswirkungen in Bezug auf Biomasse, Ackerland und Blauwasser. Blauwasser ist das Süßwasser, das zur künstlichen Bewässerung oder zur Herstellung von Produkten benötigt wird. In der Studie wurden dabei die globalen Lieferketten des deutschen Konsums betrachtet.

Zudem untersuchten sie die Auswirkungen von Abfallvermeidung. Sie nutzen dafür das Szenario, das sich die Politik als Ziel gesetzt hat: eine Halbierung der Abfälle. Sie bewerten dieses Szenario sowohl separat als auch in Kombination mit den Ernährungsszenarien.

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Eine rein pflanzenbasierte Ernährung hat den Berechnungen zufolge großes Potenzial, Ressourcen einzusparen.

Eine rein pflanzenbasierte Ernährung hat den Berechnungen zufolge großes Potenzial, Ressourcen einzusparen.

Bildquelle: © RitaE / Pixabay / CC0

Gesunde Essen spart Ressourcen

Das Team fand heraus, dass eine rein pflanzenbasierte Ernährung tatsächlich großes Potenzial hat, Ressourcen einzusparen. „Zwar ließen sich mit einer vegetarischen Ernährung fast die Hälfte der Flächen für die Lebensmittelproduktion einsparen, der Einfluss auf das blaue Wasser wäre aber leider gering. Um diesen Verbrauch zu senken, wäre es hilfreicher, Lebensmittelabfälle zu reduzieren“, betont Erstautorin Hanna Helander von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Konkret könnte eine milcharme und vegetarische Ernährung den Fußabdruck von geernteter Biomasse um bis zu 61 Prozent und von Ackerlandnutzung um fast 50 Prozent reduzieren. Für die Einsparung von blauem Wasser ist die Halbierung von Lebensmittelabfällen den Berechnungen zufolge jedoch deutlich effektiver: Der Wasserverbrauch sinkt dabei um 14 Prozent gegenüber einem Anstieg von bis zu 6 Prozent bei veränderten Essensgewohnheiten. Dies ist auf den besonders hohen Verbrauch von blauem Wasser im Obst- und Gemüseanbau zurückzuführen, dessen Anteil in den fleischarmen Ernährungsszenarien zunimmt. Eine Kombination der Szenarien hatte in der Studie das höchste Gesamtreduktionspotenzial.

Ernährung und Abfallvermeidung kombinieren

Die Ergebnisse zeigen jedoch auch Zielkonflikte auf. Denn eine Ernährungsumstellung kann auch mit mehr Abfall verbunden sein kann. Grund dafür: Es werden mehr Lebensmittel konsumiert, die ungenießbare Teile enthalten und entsorgt werden, z. B. die Schalen von Kartoffeln. Konkrete Ratschläge, wie die Politik beide Ziele sinnvoll adressieren kann, sind daher schwierig. „Eine höhere Ressourceneffizienz lässt sich am besten erreichen, wenn wir die Reduktionspotenziale aller verfügbaren Strategien ausschöpfen und gleichzeitig die Wechselwirkungen der unterschiedlichen Strategien berücksichtigen“, resümiert Helander.


Quelle:
Helander, H. et al. (2021): Eating healthy or wasting less? Reducing resource footprints of food consumption. In: Environmental Research Letters, Volume 16, (29. April 2021), doi: 10.1088/1748-9326/abe673.

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Titelbild: Gesünder essen oder weniger wegwerfen? Leider ist die Lösung nicht ganz so einfach. (Bildquelle: © iStock.com/Candle Photo)