Rotwein gegen Karies und Zahnfleischentzündungen

Polyphenole verhindern Anheften von Bakterien

02.03.2018 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Rotwein enthält Phenole, die das Anheften pathogener Bakterien auf Zähnen und Zahnfleisch verhindern können. (Bildquelle: © stokkete / Fotolia.com)
Rotwein enthält Phenole, die das Anheften pathogener Bakterien auf Zähnen und Zahnfleisch verhindern können. (Bildquelle: © stokkete / Fotolia.com)

Polyphenole sind als gesundheitsfördernde Antioxidantien bekannt. Nun konnten Wissenschaftler nachweisen: Die pflanzlichen Stoffe verhindern auch das Anheften pathogener Bakterien an Zähne und Zahnfleisch.

Polyphenole gelten als wahre Gesundheits-Booster. Schon lange ist bekannt, dass sie den Körper durch ihre antioxidative Wirkung vor freien Radikalen schützen und dadurch u. a. Alterungsprozesse im Organismus bremsen. Doch Polyphenole haben noch weitere Wirkprinzipien: Sie regen die Vermehrung besonders gesundheitsfördernder Bakterien im menschlichen Darm an. Diese Bakterien wiederum stellen kurzkettige Fettsäuren her, die die Zellen der Darmschleimhaut ernähren und für eine intakte Darmbarriere sorgen. Polyphenole wirken sich außerdem positiv auf das menschliche Herz-Kreislauf-System aus, sie schützen vor neurodegenerativen Erkrankungen und wirken sich positiv auf Stoffwechselerkrankungen aus.

Weintrauben enthalten besonders viele Polyphenole

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Auf Zähnen und Zahnfleisch tummeln sich über 700 verschiedene Bakterienarten, die Karies und Zahnfleischentzündungen verursachen können.

Auf Zähnen und Zahnfleisch tummeln sich über 700 verschiedene Bakterienarten, die Karies und Zahnfleischentzündungen verursachen können.

Bildquelle: © Stefano Garau / Fotolia.com

Polyphenole zählen zu den sekundären Metaboliten in Pflanzen. Sekundär deshalb, weil Pflanzen diese Stoffe nicht für ihren lebensnotwendigen Stoffwechsel benötigen. Sie nutzen diese Stoffe aber, um sich gegen krankheitserregende Bakterien und andere Pathogene zu wehren. Polyphenole kommen in zahlreichen Arten vor allem in den Früchten vor. Eine besonders phenolreiche Frucht ist die rote Weintraube und daher enthält auch Rotwein viel von diesen Stoffen. Eine Forschungsgruppe hat nun untersucht, ob sich die Phenole im Rotwein auch positiv auf die Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch auswirken.

Bestimmte Bakterien verursachen Karies und Zahnfleischentzündungen

Auf Zähnen und Zahnfleisch tummeln sich über 700 verschiedene Bakterienarten, die Zahnfleischentzündungen und Karies verursachen können. Mit Hilfe von Exopolysacchariden heften sich Bakterien auf Zähnen und Zahnfleisch fest und bilden hier einen mikrobiellen Biofilm. Eine schlechte Zahnhygiene und ungesunde Ernährungsgewohnheiten fördern das Wachstum dieser pathogenen Bakterien im Mundraum.

Zu den zahnschädigenden Bakterien gehören vor allem Streptococcus mutans und Streptococcus sobrinus. Parodontose geht meistens auf das Konto von Gram-negativen Bakterien wie Porphyromonas gingivalis, Campylobacter spp. und Treponema denticola. Diese Bakterien produzieren Endotoxine, die Entzündungen hervorrufen und das Zahnfleisch angreifen.

Polyphenole aus Rotwein getestet

Für ihre Untersuchungen nutzten die Forscher ein Zellsystem aus künstlichen Zahnfleischgewebe (Fibroblasten), an dem sie den Effekt von zwei Phenolen aus dem Rotwein (Kaffee- und p-Cumarin-Säure) testeten. Dabei setzten sie die Stoffe in Konzentrationen ein, wie sie auch im Rotwein vorkommen. Zusätzlich untersuchten die Wissenschaftler die Wirkung von zwei handelsüblichen Rotwein- und Traubenkernextrakten auf die Bakterien. In einem weiteren Versuch kombinierten sie die Polyphenole mit dem oralen, probiotischen Bakterium Streptococcus dentisani. Die Konzentration der getesteten Stoffe war dabei so gering, dass weder die Bakterien noch die Schleimhautzellen davon Schaden nahmen.

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Polyphenole kommen in zahlreichen Arten vor allem in den Früchten vor, z. B. in roten Weintrauben. Die Verdauung von Polyphenolen beginnt bereits im Mund durch Bakterien und Schleimhautzellen. Wahrscheinlich haben die Abbauprodukte der Polyphenole eine schützende Wirkung für Zähne und Zahnfleisch.

Polyphenole kommen in zahlreichen Arten vor allem in den Früchten vor, z. B. in roten Weintrauben. Die Verdauung von Polyphenolen beginnt bereits im Mund durch Bakterien und Schleimhautzellen. Wahrscheinlich haben die Abbauprodukte der Polyphenole eine schützende Wirkung für Zähne und Zahnfleisch.

Bildquelle: © Kzenon / Fotolia.com

Polyphenole mit probiotischem Bakterium am wirksamsten

Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Polyphenole reduzierten die Anlagerung von schädlichen Bakterien. Die Rotwein-Polyphenole, die als Reinsubstanzen eingesetzt wurden, konnten die Anlagerung von S. mutans an das menschliche Zahnfleischgewebe um etwa 40 % verringern.  Die beste Wirkung zeigte sich bei der Kombination der Polyphenole mit dem probiotischen Bakterium. Diese Mischung konnte die Anlagerung von S. mutans um 50 % verringern.

Die verstärkende Wirkung des Probiotikums sei wahrscheinlich auf die Konkurrenz der Bakterien um Anlagerungsplätze zu erklären. Hat das probiotische Bakterium Streptococcus dentisani Stellen im Mundraum besiedelt, können andere Bakterien hier nicht mehr wachsen.

Die Versuche wurden zwar nur im Zellmodell durchgeführt, bieten aber einen wertvollen Ansatzpunkt für weitere in vivo Studien, bei denen auch die Interaktionen verschiedener Bakterien in einem Biofilm berücksichtigt werden können. Bestätigen sich die Ergebnisse der Laborversuche dort, könnten zukünftig pflanzliche Phenole gezielt zur Prävention von bakteriellen Erkrankungen im Mundraum eingesetzt werden.

Diese Polyphenole müssen nicht unbedingt aus Trauben bzw. Rotwein stammen. Wer es lieber alkoholfrei mag, greift auf Grüntee oder Äpfel zurück. Auch Kakao enthält Phenole, die der Zahngesundheit dienen könnten.

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