Überraschung im Wald

Kalte Winter wecken Bäume früher aus dem Winterschlaf

04.11.2013 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Je kälter der Winter, desto früher beginnen die Knospen der Pflanzen zu sprießen. (Quelle: © Spacebirdy/wikimedia.org; CC BY-SA 3.0)
Je kälter der Winter, desto früher beginnen die Knospen der Pflanzen zu sprießen. (Quelle: © Spacebirdy/wikimedia.org; CC BY-SA 3.0)

Sobald der Frühling kommt, beginnen Pflanzen Knospen auszubilden. Nun fanden deutsche Forscher heraus, dass bei heimischen Bäumen hierfür weniger die zunehmende Tageslänge im Frühjahr verantwortlich ist. Vielmehr kommt es auf die Temperaturen im vorangegangenen Winter an: Je kälter der Winter, desto früher fangen die Pflanzen an zu wachsen, so lautet das überraschende Ergebnis. Der Klimawandel könnte die Wachstumsphase unserer Waldbäume zukünftig mächtig durcheinander bringen, denn die Winter werden tendenziell milder.

Wärmere Temperaturen im Frühjahr geben den Startschuss für die Wachstumsphase von Pflanzen. Für das Wachstum und die Bildung von Blättern und Blüten sind längere Tage mit mehr Licht, aber auch die Temperaturen im vorangegangenen Winter entscheidend.

Kalte Winter lassen heimische Bäume früher austreiben

In einer kürzlich erschienen Studie haben deutsche Forscher der Technischen Universität München (TUM) eine unerwartete Entdeckung gemacht: „Anders als bisher angenommen, spielt die zunehmende Tageslänge im Frühjahr für den Zeitpunkt des Knospens keine große Rolle: Damit die Pflanzen im Frühjahr rechtzeitig aufwachen, ist ein ausgedehnter ‚Kälteschlaf’ im Winter wichtig“, erklärt Julia Laube, eine beteiligte Wissenschaftlerin. 

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In einer Klimakammer untersuchten die Wissenschaftler die Zweige der 36 Baum- und Straucharten bei unterschiedlichen Temperaturen und Lichtbedingungen.

In einer Klimakammer untersuchten die Wissenschaftler die Zweige der 36 Baum- und Straucharten bei unterschiedlichen Temperaturen und Lichtbedingungen.

Quelle: © J. Laube/TUM

Dafür untersuchten sie 36 Baum- und Straucharten aus dem bayrischen Weltwald. Sie setzten rund 30 Zentimeter lange Zweige der einzelnen Arten in einer Klimakammer unterschiedlichen Bedingungen (Wärme, Licht) aus und beobachteten ihr Wachstumsverhalten. Dabei führte eine längere Lichteinstrahlungen bei einem Drittel der untersuchten Arten zu einem verfrühten Austreiben. Die Simulation eines kälteren Winters führte jedoch zu einem früheren Vegetationsstart fast aller untersuchter Arten.

Klimawandel sorgt für Chaos

Verkürzten die Forscher die Kälteperiode, veränderte dies das Wachstumsverhalten dramatisch. Viele Arten trieben wesentlich später aus. So z.B. die Rotbuche, die im Experiment bei milden Temperaturen erst als zweiletzte austrieb, obwohl sie sich bei kalten Temperaturen im Mittelfeld befand.

Durch den Klimawandel sind mildere Winter zu erwarten. Dies könnte also bei unseren heimischen Bäumen dazu führen, dass sich die Wachstumsphase vieler Arten nach hinten verschiebt. Diese Veränderungen haben Einfluss auf das gesamte Ökosystem „Wald“. Bilden Bäume Blätter erst später aus, gelangt mehr Sonnenlicht auf den Waldboden. Folglich verändert dies das Wachstumsmuster und mit diesen die Konkurrenzsituation niederwüchsiger Pflanzenarten wie Sträucher, Kräuter, Moose, Gräser etc.

Die Forscher postulieren, dass z.B. Sträucher künftig einen größeren Konkurrenzvorteil in den Wäldern besitzen. Ebenso Baumarten, die nicht so stark auf den Kältereiz angewiesen sind. So z.B. Arten, die aus wärmeren Klimazonen kommen und bei uns eigentlich nicht heimisch sind, wie der Walnussbaum. Auch sie könnten von diesen Entwicklungen profitieren. Allerdings nur, wenn sie nicht in ihrer verfrühten Wachstumsphase von spätem Frost im Frühjahr überrascht werden und die jungen Triebe erfrieren.

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Kommentare

1 06.11.2013
Bernd Schulz
  Überraschung im Wald

"Sobald der Frühling kommt, beginnen Pflanzen Knospen auszubilden." Diese Aussage ist falsch und zeugt von mangelnder Naturbeobachtung und -kenntnis. Die Knospen sind bereits 6-10 Monate vor ihrem Austrieb im Frühjahr angelegt und verändern sich in dieser Zeit kaum. Deshalb sind sie gute Beszimmungsmerkmale im Winter (vgl. B. Schulz: "Gehölzbestimmung im Winter" Ulmer 2013)

1 06.11.2013
Redaktion Pflanzenforschung.de
  

Sehr geehrter Herr Schulz,

haben Sie vielen Dank für Ihren Kommentar. Es stimmt natürlich, dass die Pflanzen diese schon ausgebildet haben. Es sollte demnach heißen: Sobald der Frühling kommt, beginnen die Knospen der Pflanzen zu sprießen.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre Redaktion von Pflanzenforschung.de

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