Unterschätzte Nährstofflieferanten

Esst mehr Linsen, Bohnen und Erbsen!

19.06.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen oder Linsen sind unterschätzte Nährstofflierferanten. Sie enthalten hohe Mengen an Mikronährstoffen. (Bildquelle: © olgakr/iStock/Thinkstock)
Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen oder Linsen sind unterschätzte Nährstofflierferanten. Sie enthalten hohe Mengen an Mikronährstoffen. (Bildquelle: © olgakr/iStock/Thinkstock)

Hülsenfrüchte wie Erbsen und Linsen enthalten hohe Mengen an wichtigen Mineralstoffen, darunter Magnesium und Eisen. Sie werden in unserer Ernährung jedoch oft stiefmütterlich behandelt.

Um sich gesund zu ernähren, muss man nicht nur ausreichend, sondern auch eine große Bandbreite an Nährstoffen zu sich nehmen. Oft wird bei der Ernährung jedoch nur auf die sogenannten Makronährstoffe, also Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße, geachtet. Um alle Körperfunktionen am Laufen zu halten, benötigen wir allerdings auch Mikronährstoffe. Zu ihnen zählen Vitamine, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und Mineralstoffe (Mengen- und Spurenelemente). Mineralstoffe können – wie die meisten Mikronährstoffe – vom Körper nicht selbst gebildet werden. Man muss sie also mit der Nahrung aufnehmen.

Hülsenfrüchte sind gute Nährstofflieferanten

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Hummus ist ein beliebter Dip aus Kichererbsen. Die orientalische Spezialität findet auch bei uns immer mehr Anklang.

Hummus ist ein beliebter Dip aus Kichererbsen. Die orientalische Spezialität findet auch bei uns immer mehr Anklang.

Quelle: © Fudio/iStock/Thinkstock

Hülsenfrüchte (Körnerleguminosen) sind nicht nur reich an Proteinen (Eiweißen), sondern sie enthalten auch viele Mineralstoffe. Was genau in den kleinen Körnern steckt, haben Forscher am Beispiel von vier Hülsenfrüchten aus einer Anbauregion in Kanada genauer unter die Lupe genommen. Betrachtet wurden dabei Linsen (Lens culinaris), Gartenbohnen (Phaseolus vulgaris), Gartenerbsen (Pisum sativum) und Kichererbsen (Cicer arietinum).

Zwischen 2005 und 2006 pflanzten die Forscher an unterschiedlichen Standorten in der kanadischen Provinz Saskatchewan zwischen acht und 18 Sorten der vier Pflanzenarten an. Mit Hilfe von Atomabsorptionsspektrometrie wurde anschließend der Nährstoffgehalt der Hülsenfrüchte ermittelt. Sie testeten die Pflanzen auf ihren Gehalt an Magnesium, Kalium, Eisen, Zink, Mangan, Kupfer, Selen, Nickel und Calcium.

Das Ergebnis: In den Pflanzen waren alle Mineralstoffe in signifikanten Mengen enthalten, bis auf Calcium, das oft nur in sehr geringen Mengen nachweisbar war. Bereits 100 Gramm von jeder der Hülsenfrüchte waren ausreichend, um von den Mineralstoffen Eisen, Magnesium, Selen, Mangan, Kupfer über 50 Prozent der empfohlenen Tagesdosis zu sich zu nehmen. Beim Zink war es immerhin zwischen 25-35 Prozent. Dabei waren Linsen besonders gute Eisenlieferanten, wohingegen Bohnen und Kichererbsen besonders reich an Magnesium waren.

Der Standort ist entscheidend

Die Forscher stellten dabei fest, dass vor allem der Standort, an dem die Pflanzen angebaut wurden, einen Einfluss auf den Nährstoffgehalt hatte. Beispielsweise bei dem Nährstoff Selen. Hier war der Standort weit bedeutender als die genetische Ausstattung der Pflanze oder das Anbaujahr.

Saskatchewan ist eine der wichtigen Anbauregion Kanadas und eignet sich so gut zum Anbau von Linsen, dass Kanada zum weltweit größten Linsenproduzenten wurde (mit 1,49 Mio. Tonnen im Jahr 2012). Dass die untersuchten Hülsenfrüchte hier gut gedeihen, steht also außer Frage und die fruchtbaren Böden tragen zu einem hohen Nährstoffgehalt bei – vor allem beim Selen. Die Böden enthalten hier hohe Selenkonzentrationen und auch die Pflanzen haben im Vergleich zu anderen Regionen der Welt einen besonders hohen Selengehalt. Obwohl sich die protein- und nährstoffreichen Leguminosen auch in anderen Ländern gut anbauen lassen, gibt es beim Nährstoffgehalt große Unterschiede. Hier sehen die Forscher die Pflanzenzüchtung am Zug: Es sollte künftig auch stärker auf den Gehalt an Mikronährstoffen bei der Züchtung von neuen Sorten geachtet werden. Aber auch agronomische Maßnahmen, wie Düngung, könnten den Gehalt an wichtigen Mineralstoffen in den Pflanzen ebenfalls beeinflussen.  

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Erbsen zählen zur Familie der Leguminosen (Hülsenfrüchtler). Sie gehen eine Symbiose mit stickstofffixierenden Knöllchenbakterien ein und können daher auch an extrem stickstoffarmen Standorten gedeihen.

Erbsen zählen zur Familie der Leguminosen (Hülsenfrüchtler). Sie gehen eine Symbiose mit stickstofffixierenden Knöllchenbakterien ein und können daher auch an extrem stickstoffarmen Standorten gedeihen.

Quelle: © Stan Rohrer/iStock/Thinkstock

Ein gesundes Maß finden

Auch wenn man nur sehr geringe Mengen benötigt, sind Mikronährstoffe außerordentlich wichtig für unsere Gesundheit. Ein Mangel kann zu schweren Krankheiten führen. Dies ist nicht nur ein Problem in Entwicklungsländern. Auch hierzulande ist ein Mikronährstoffmangel keine Seltenheit. Vor allem Eisen- und Zinkmangel sind auch bei uns weit verbreitet. Die Forscher empfehlen, Hülsenfrüchte stärker in die tägliche Ernährung einzubauen.

Neben dem hohen Nährwertgehalt haben Leguminosen einen weiteren wichtigen Vorteil: Sie benötigen keinen Stickstoffdünger, da sie mit stickstofffixierenden Knöllchenbakterien Symbiosen eingehen. Diese Bakterien versorgen die Pflanzen mit Stickstoff, indem sie elementaren Stickstoff aus der Luft binden, wozu die Pflanzen selbst nicht in der Lage sind. Eiweißpflanzen (Leguminosen) tragen somit auch dazu bei, die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern. Damit nehmen die Leguminosen einen wichtigen Platz in der Fruchtfolgegestaltung ein. Werden jedoch Hülsenfrüchte in zu häufiger Folge angebaut, besteht die Gefahr der Eutrophierung des Grund- oder Oberflächenwassers durch den Stickstoff.

Auf Grund ihrer positiven Effekte in der Landwirtschaft und bei der Ernährung von Mensch und Tier, wird der Anbau von Eiweißpflanzen in unterschiedlichen europäischen aber auch nationalen Projekten gefördert. In Deutschland gibt es zudem eine Eiweißpflanzenstrategie. Diese wird zentral vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geleitet. Ziel ist es, den seit Jahrzehnten rückläufigen Anbau von Leguminosen in Deutschland wieder auszuweiten. Damit dies gelingt, müssen vor allem die Ertragspotenziale bei Erbse & Co. verbessert werden. Im Vergleich zum großen Bruder Soja lohnt sich der heimische Anbau für die Bauern zumindest finanziell nicht.

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